Deutsche machen Fehlkäufe von 3,7 Milliarden Euro
Spontan gekauft, schnell verstaubt

Oft kaufen Kunden etwas, das dann im Regal oder im Schrank verstaubt und nicht genutzt wird. Archivbild: dpa

Weiden. Für 3,7 Milliarden Euro haben die Verbraucher in Deutschland Fehleinkäufe im Kleiderschrank hängen oder im Keller stehen. Dies fand die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in einer Studie im Auftrag der Firma Barclaycard heraus. Durchschnittlich besitzt jeder Deutsche Kleidungsstücke, Accessoires oder Elektrogeräte für 140 Euro, die er nicht benutzt.

Die meisten Fehlkäufe gab es demnach bei der Mode. Knapp 2000 deutschsprachige Menschen ab 18 Jahren haben die Forscher dazu befragt. Von gut 40 Prozent der Teilnehmer, die sich zur Gruppe der Fehlkäufer bekennen, irrt sich im Schnitt jeder Zweite beim Einkaufen von Bekleidung und Accessoires. Weniger Fehlgriffe zählten die Forscher bei Haushaltsgeräten (19,4 Prozent), Büchern (17,1 Prozent), und Unterhaltungselektronik (12,7 Prozent). Trotz dieser hohen Zahl an Fehlkäufen holen sich wenige Konsumenten bei der Verbraucherzentrale Rat, sagt Elisabeth Graml, Verbraucherberaterin der Beratungsstelle Weiden. Die Leute, die zu ihr kommen, würden sich eher darüber beraten lassen, wie sie den Kauf rückgängig machen können.

"Rechtlich gibt es Unterschiede, je nachdem, wo etwas gekauft wurde", sagt die Beraterin. Grundsätzlich gibt es in Läden kein Rückgaberecht, wenn dem Kunden das kürzlich Gekaufte nicht mehr gefällt. Dass Geschäfte die Waren trotzdem zurück nehmen, sei "ein reines Kulanzangebot des Handels". Anders ist es im Internet: Dort gilt das Widerrufsrecht bis zu 14 Tage nach dem Kauf. In dieser Zeit können Verbraucher den Kauf rückgängig machen und gelieferte Waren zurückschicken. "Im Internet tue ich mich da ausnahmsweise leichter", meint Graml, die sich beim Shoppen von Kleidung selbst einmal täuschte. "Ich zwinge mich immer zu der Frage: Brauche ich das jetzt wirklich?", erklärt sie.

Stress bei Fehlentscheidung

Professor Peter Fischer erkennt ein Problem an der GfK-Studie: "Manches erkennt man erst nach zwei Jahren als Fehlkauf", sagt der Professor für Arbeits-, Organisations-, Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Regensburg. Vor allem bei Mode gebe es diesen Zeiteffekt. Was vor zwei Jahren aktuell war, sei nun out - und hänge unbenutzt im Schrank. Im Nachhinein könne ein Teilnehmer der Studie das als Fehlkauf empfinden, obwohl es das damals nicht gewesen sei. Auch das Geld spiele für Fischer bei der Kaufentscheidung eine Rolle: "Ein Fehlkauf ist umso wahrscheinlicher, je billiger etwas ist."

Fast dreiviertel der Fehlkäufer ärgern sich nach eigenen Angaben über ihre falsche Entscheidung (73,8 Prozent). Knapp 60 Prozent von ihnen tun dies, egal wie teuer das ungeliebte Stück war. Und bei mehr als jedem Zehnten komme es zu Streit in der Partnerschaft oder der Familie, wenn Fehlkäufe Regale blockieren oder für ein leeres Portemonnaie sorgen. Nur wenige verschenken oder verkaufen unnütze Dinge. Professor Fischer erklärt dies mit dem Regret-Effekt: "Die Menschen trennen sich nur ganz ungern von etwas. Es fühlt sich gut an, etwas zu haben - aber schlecht, etwas herzugeben." Vielleicht werde die kaum getragene Kleidung wieder modern, würden viele Leute denken, sagt der Wissenschaftler.

"Nichts spontan kaufen"Elisabeth Graml von Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Bayern in Weiden nennt Tipps, wie Kunden Fehlkäufe vermeiden können:

Konsumenten sollten sich vor dem Kauf immer fragen: "Brauche ich das tatsächlich? Besitze ich es bereits?", rät Graml. Jeder solle sich überlegen, ob er das Kleidungsstück oder Elektrogerät nur im Moment haben will. "Nichts spontan kaufen", warnt Graml.

Ist ein Angebot extrem günstig, sollte sich der Konsument fragen, ob er die Ware nur haben möchte, weil die gerade billig ist. Er sollte vorsichtig sein, wenn er den Eindruck habe, die Ware sei zu günstig, und sich über den Händler informieren, rät Graml.

Möchte sich der Kunde im Laden nur informieren, sollte er nicht sofort kaufen, seinen Vorsatz aufgeben "und eine Nacht darüber schlafen", sagt die Verbraucherberaterin. In einer solchen Situation solle sich der Verbraucher nicht vom Verkäufer zum Kauf drängen lassen. "Vieles gibt es morgen noch."

Beim Shoppen von Kleidung sollte der Kunde prüfen, ob sie kratzt, sie zu seinem Stil passt und er sie mit seinen Klamotten kombinieren kann. "Man sollte sich nicht von der Verkäuferin beeinflussen lassen", meint Graml.

Gibt es einen Kaufvertrag, soll sich der Kunde diesen sorgfältig durchlesen, bevor er ihn unterschreibt. (esa)
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