09.02.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Deutschland benachteiligt nichteheliche Kinder beim Erbrecht Kinder beim Erbe diskriminiert

Straßburg. (KNA/dpa) Nichteheliche Kinder, die vor dem 1. Juli 1949 geboren sind, haben Anspruch auf das Erbe ihres Vaters. Das entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte einstimmig am Donnerstag in Straßburg. In Deutschland galt für nichteheliche Kinder, die vor dem 1. Juli 1949 geboren wurden, bisher altes Recht. Sie konnten erbrechtliche Ansprüche nur gegenüber Müttern und deren Verwandten geltend machen. Geklagt hatte eine Frau, die 1940 als nichteheliches Kind geboren wurde. 1951 erkannte ihr Vater die Vaterschaft an und sie hatten regelmäßigen Kontakt. Nachdem er 2009 starb, beantragte sie das Erbe. Die Stadt Memmingen in Bayern verweigerte ihr dieses Recht, weil sie vor 1949 als nichteheliches Kind geboren wurde.

von Agentur KNAProfil

Nach mehreren erfolglosen Klagen in Deutschland, reichte sie 2010 Klage beim Europäische Gerichtshof ein. Sie argumentierte, dass durch die Verweigerung des Erbes sowohl das Diskriminierungsverbot nach Artikel 14 als auch das Recht auf Achtung des Familienlebens nach Artikel 8 verletzt wurden. Die Richter gaben ihr Recht. Deutschland wurde 2009 bereits einmal vom Menschenrechtsgerichtshof wegen einer Diskriminierung von nichtehelichen Kindern im Erbrecht verurteilt. Bis 2011 galt ein Gesetz, das einer noch größeren Gruppe von Menschen Rechte am Erbe des Vaters versagte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.