07.08.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) bleibt auf Expansionskurs FMC setzt auf Trend zur Heimdialyse

Viele Patienten mit Nierenerkrankungen müssen mehrmals pro Woche zur Blutwäsche in Dialysezentren. Der Gesundheitskonzern FMC baut nun auf den Trend zur Behandlung zu Hause - und stärkt sich dafür mit einem Milliardenzukauf.

FMC will den US-Medizintechnikkonzern NxStage übernehmen. Bild: Frank Rumpenhorst/dpa
von Agentur DPAProfil

Bad Homburg. Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) bleibt auf Expansionskurs. Mit einer milliardenschweren Übernahme der auf Heimdialyse spezialisierten Medizintechnik und -dienstleistungsfirma "NxStage Medical" will der hessische Gesundheitskonzern sein Geschäft in den USA stärken. Er will so zu einem weltweit führenden Anbieter in diesem Markt aufsteigen.

FMC bietet für das Unternehmen 30 Dollar je Aktie in bar, wie die Fresenius-Tochter am Montag mitteilte. Damit wird der Deal mit rund 2 Milliarden Dollar (rund 1,7 Milliarden Euro) bewertet. Der Konzern rechnet mit einem Abschluss der Transaktion im Jahr 2018. Für die Übernahme brauchen die Hessen aber noch die Zustimmung der Behörden.

Dialyse im eigenen Haus

Geht das Geschäft über die Bühne, sollen in den ersten drei bis fünf Jahren nach Abschluss jährlich 80 bis 100 Millionen Dollar Kosten vor Steuern gespart werden. Ein positiver Beitrag zum Konzernergebnis erwartet FMC drei Jahre nach Abschluss. Mit der Übernahme setzt FMC vor allem auf den wachsenden Markt der Heimdialyse, auf den sich "NxStage" spezialisiert hat. In den USA erhalten nach Angaben eines Firmensprechers 12 Prozent der Patienten ihre Dialyse außerhalb der speziellen Zentren im eigenen Zuhause. Das amerikanische Gesundheitsministerium fördert diese Art der Behandlung von Nierenerkrankungen.

"NxStage" gilt in diesem Bereich als Pionier: Das Unternehmen hat Geräte entwickelt, für die es als Erster die Zulassung auch für eine Behandlung in der Nacht erhalten hat - ein Zuwachs für die Lebensqualität der Patienten gegenüber der mehrstündigen Behandlung in einem Dialysezentrum mehrmals pro Woche.

Diesen Pluspunkt will FMC nun nutzen: "Mit den ,NxStage'-Produkten erhöhen wir auch die Attraktivität unserer Dialysezentren, da wir den Patienten ein zusätzliches Angebot machen können", sagte der Sprecher. Während "NxStage" schwerpunktmäßig in den USA unterwegs ist, will FMC die Produkte künftig über das eigene Netz der weltweit knapp 3700 Dialysezentren stärker international vermarkten. Damit will FMC in der Heimdialyse eine weltweit führende Position einnehmen.

Führender Anbieter

"NxStage" mit Sitz in Lawrence nahe Boston betreibt auch eine kleinere Anzahl von Dialysezentren zur Behandlung chronisch nierenkranker Patienten. 2016 lag der Umsatz bei 366 Millionen Dollar. FMC ist der weltweit führende Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Menschen mit Nierenerkrankungen und betreut in seinen Dialysezentren über 300 000 Patienten. Im wichtigen US-Markt kommt FMC auf einen Marktanteil von 40 Prozent.

Die Übernahme ist daher eine logische Konsequenz: Zukäufe von Dialysezentren im großen Stil würden vermutlich auf Probleme mit den Wettbewerbsbehörden stoßen. An der Börse fielen FMC-Aktien am Montag dennoch um gut ein Prozent auf rund 78 Euro. Händler halten die gebotenen 30 Dollar je Aktie für hoch gegriffen.

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