31.05.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Dr. Elfriede Langhans schreibt für Gymnasium äußerst wichtiges Kapitel Eschenbacher ...: "Frau Doktor" als Retterin in der Not

von Autor CDProfil

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. So steht es seit Mai 1949 im Grundgesetz. Der patriarchalische Zeitgeist der Nachkriegsjahre tat sich schwer damit, wie die Bundestagsdebatte vom 12. Februar 1954 zeigt. Das Bundesverfassungsgericht hatte die Anpassung des bürgerlichen Rechts an den Gleichberechtigungsartikel 3 angemahnt. Denn nach dem BGB war der Mann immer noch Chef im Haus. Gegen seinen Willen konnte die Frau zum Beispiel nicht berufstätig sein. Der damalige Familienminister Franz-Josef Würmeling bezweifelte, "dass irgendeine Frau und Mutter eine formale Gleichberechtigung überhaupt will". Sie empfinde ja schon die Zunahme ihres Einflusses in der Familie als weitere Belastung, vor der man sie schützen müsse.

Hilferuf nach Stuttgart

Vor diesem Hintergrund erstaunt es, dass am 1. November 1954 im konservativ geprägten Eschenbach einer Frau die Leitung der privaten Realschule, Vorläuferin des heutigen Gymnasiums, übertragen wurde. Ausdruck frauenfreundlicher Gesinnung war das aber nicht. Vielmehr war es ein Hilferuf, der Dr. Elfriede Langhans knapp zwei Monate nach ihrer Verabschiedung in Stuttgart erreichte, wo sie und ihr Mann inzwischen im Staatsdienst tätig waren.
Um den Fortbestand der Schule zu sichern, die sie sechs Jahre lang als Studienrätin und Ehefrau des ersten Schulleiters Edmund Langhans mit aufgebaut hatte, zögerte sie nicht, die neue Anstellung aufzugeben. Tochter Giselind Langhans weiß: "Die Schule war auch ihr Baby!" Daher kehrte die Mutter nach Eschenbach zurück und blieb, bis im Sommer 1955 ein Nachfolger gefunden war. Hätte die aus Nordböhmen stammende Philologin damals abgelehnt, gäbe es das Gymnasium Eschenbach mit heute gut 1000 Schülern vielleicht nicht. Trotzdem findet in Lokalzeitungen und Schulchroniken ihr rettender Einsatz allenfalls als Randnotiz Erwähnung. Immerhin: Nach ihrem Mann ist in Eschenbach eine Straße benannt.

Oberstudiendirektor a. D. Waldemar Hupp, der 1951 als Assessor an die Schule kam und sie später selbst 30 Jahre lang leitete, bestätigt die damaligen Existenznöte, die Dr. Elfriede Langhans zur Rückkehr veranlasst hatten: "Dass der Fortbestand ihr zu verdanken war, das stimmt weitgehend." Denn noch immer habe es viele Gegenströmungen gegeben. Und es herrschte eklatante Raumnot: Die knapp 200 Schüler waren laut NT-Bericht vom 5. Juni 1954 auf drei Gebäude verteilt.
Mit Hürden und Intrigen hatten schon 1948 auch die Gründer der Schule zu kämpfen gehabt. Gab es doch nicht wenige, die eine höhere Schule in Eschenbach für überflüssig hielten oder sie als "Flüchtlingsschule" diffamierten, weil die ersten Lehrer und fast die Hälfte der Schüler Heimatvertriebene waren. Trotz aller Widerstände setzte Otto Bogendörfer, ein aus Fürth zugezogener Steuerberater und Gründer des Schulvereins, gemeinsam mit Studienrat z. W. Edmund Langhans die Idee einer "Zubringerschule" in Eschenbach in die Tat um. Und das, obwohl die Eltern nur drei Monate nach der Währungsreform 20 D-Mark Schulgeld im Monat aufbringen mussten.

Mit Ablauf des Schuljahres 1953/54 konnte die inzwischen sechsklassige private Realschule die ersten 16 Absolventen entlassen. Mit ihnen verließ auch das Ehepaar Langhans die Anstalt. Beiden hatte das Land Baden-Württemberg die lange angestrebte Rückkehr in den Staatsdienst ermöglicht. Doch der neue Eschenbacher Schulleiter Dr. Karl Hämmerle warf schon am 31. Oktober 1954 wieder das Handtuch, angeblich mit der Begründung: "Das ist mir zu schwer." Waldemar Hupp hat eine andere Erklärung: Wegen Pensionsstreitigkeiten mit dem Staat habe das Ministerium den Oberstudienrat i. R. aus München als Schulleiter nicht anerkannt. "Wir anderen Lehrkräfte waren alle zu jung und nur Assessoren." Also kam Dr. Elfriede Langhans auf Bitten von Otto Bogendörfer zurück. Ihre beiden Töchter wurden unterdessen in Eschenbach von der Oma Maria Seifert mitbetreut.

Mütterliche Chefin

Waldemar Hupp schildert die "Frau Doktor" als sehr mütterliche Chefin: "Keine Person der großen Worte, mehr der leisen Führung, aber mit Gespür für das Mögliche." Die erste Frau im Lehrerkollegium war Dr. phil. Elfriede Langhans auch 1936 am deutschen Staatsrealgymnasium in Jägerndorf gewesen, wo sie Deutsch und Französisch unterrichtete. Die Tochter eines Bahnbeamten aus Teblitz, geboren am 8. Dezember 1911, hatte in Prag Germanistik und Romanistik studiert und über Friedrich von Schillers Schwägerin Karoline von Wolzogen promoviert. Sie war längst wieder in Stuttgart, als 1960 aus der privaten Realschule eine staatliche Oberrealschule und 1970 am Gymnasium Eschenbach das erste Abitur geschrieben wurde.

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Weitere Bilder und Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/1954

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