Ein gelungenes Foto kann das i-Tüpfelchen auf der Bewerbung sein
Bitte recht freundlich

Das i-Tüpfelchen für die Bewerbung: Ohne Foto geht es meistens nicht, sagen Experten – auch wenn es rechtlich gesehen keine Pflicht sein darf. (Foto: Christin Klose/dpa-tmn)

Besonders attraktiv muss auf seinem Bewerbungsfoto niemand sein - aber sympathisch. "Das Foto ist der emotionale Weichensteller", sagt Bewerbungs- und Karrierecoach Jürgen Hesse. Damit das gelingt, gibt es jedoch einiges zu beachten - den Adressaten zum Beispiel.

Denn was bei Bewerbungsfotos für manche Unternehmen durchaus angemessen ist, wirkt bei anderen übertrieben. Hosenanzug oder Hemd und Krawatte sind also nicht immer das passende Outfit. Und wer sich bei einer Werbeagentur oder auf andere Jobs in der Kreativbranche bewirbt, könne neben einem lässigen Outfit ruhig auch einen ungewöhnlichen Bildausschnitt wählen, sagt Judith Engst, die ein Buch zum Thema geschrieben hat. Bei Banken hingegen sei nach wie vor konservative Kleidung gefragt.

Eigentlich kein Muss

Rechtlich gesehen sind Bewerbungsfotos inzwischen nicht mehr erforderlich. Denn seit 2006 gilt in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Es soll verhindern, dass Menschen bei der Einstellung diskriminiert werden - beispielsweise aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts oder ihres Alters. "Die gesetzliche Lage sieht vor, dass die Auswahl nur auf fachlicher Qualifikation beruhen darf", erklärt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Sozialrecht. Ein Foto ist daher kein Muss.

Praktisch sei es allerdings schwierig, eine Diskriminierung aufgrund eines Fotos nachzuweisen, wenn dessen Einsendung nicht gerade aktiv eingefordert wurde. "Dazu gibt es bisher keinerlei Rechtsprechung", sagt die Anwältin. Und die meisten Personaler wollen noch immer ein Fotos sehen - weil sie wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, wie Judith Engst erklärt. "Da klaffen Theorie und Praxis auseinander." Zumindest ist das in Deutschland so. In den USA hingegen werden schon länger anonyme Bewerbungsverfahren verwendet, erklärt Bernd Blessin aus dem Präsidium des Bundesverbands der Personalmanager (BPM).

Große Unternehmen, die international agieren, wenden diese Methoden zunehmend auch in Deutschland an. Dabei geht es vor allem darum, Klagen wegen Diskriminierung zu vermeiden. "Aber ich glaube nicht, dass dieser Trend in dieser Breite im deutschen Mittelstand ankommen wird."

Jürgen Hesse bezeichnet das Foto sogar als den wichtigsten Teil einer schriftlichen Bewerbung - auch wenn das vielen nicht bewusst sei. Dabei könne ein sympathisches Bild den Ausschlag für die Einladung zum Gespräch geben, wenn man dadurch aus der Reihe der vielen qualifizierten Bewerber hervorsticht.

Mehrere Bilder machen

Bernd Blessin kennt das aus der Praxis: Er hat unter anderem bei Coca-Cola und Gerling als Personaler gearbeitet und leitet nun das Personalmanagement bei der Vereinigten Postversicherung (VPV). Wenn jemand mit Tirolerhut auf einem Urlaubsbild posiere, sei es schwer, sich von einem solchen Eindruck freizumachen. "Ich habe deswegen schon ganz früh die Entscheidung getroffen, dass ich mir das Bewerbungsfoto als Allerletztes anschaue." Trotzdem gehöre für ihn ein Foto zu einer Bewerbung dazu - um den Gesamteindruck abzurunden.

Dafür gibt es auch sachliche Gründe: Unternehmen erwarten von Bewerbern, dass sie sich mit dem Arbeitgeber und der Stelle beschäftigt haben. Ob sie das getan haben, zeigt sich auch in einem passenden Foto. Ein breites Grinsen sei bei Bestattungsunternehmen beispielsweise fehl am Platz, sagt Jürgen Hesse. Er rät dazu, immer mehrere Fotos zu schießen und Freunde oder Familie zu fragen, welches sie am besten fänden. Vor allem Schwarz-Weiß-Fotos hätten eine gute Wirkung. "Aber auch ein gutes Farbfoto kann Herzen öffnen."

Schießen kann solche Bilder auch ein talentierter Laie, sagt Hesse. Judith Engst hingegen rät zum Besuch beim Profi - allein schon wegen der Beleuchtung. "Bei einem Fotografen kommen einfach die besten Bilder heraus." Vom Format her sollte das Foto etwas größer als ein Passbild sein - und gerne auch quer oder quadratisch, schlägt Jürgen Hesse vor. "Damit sollte man unbedingt spielen."

Halbwegs aktuell

Ein Trend ist, dass auch etwas vom Hintergrund auf dem Bild erkennbar ist. Die Fotos können in einer Umgebung aufgenommen werden, die etwas über den Bewerber aussagt: am Fenster, im Büro, in der Werkstatt, im Labor oder in der Natur. Wichtig sei aber, das Bild anständig auszudrucken und dabei auf die Farben zu achten, empfiehlt Judith Engst.

Bei E-Mail-Bewerbungen ist zudem wichtig, keine zu großen Dateien zu versenden. Die Richtwerte dafür ändern sich aber ständig, sagt Judith Engst. "Früher hat man gesagt: Nicht mehr als ein Megabyte. Heute lacht man darüber." Aktuell rät sie, keine Anhänge zu verschicken, die größer als fünf oder sechs Megabyte sind.

Jürgen Hesse empfiehlt außerdem, auf jeden Fall ein halbwegs aktuelles Bild zu schicken. Auch wenn man sich selbst vor zehn Jahren noch hübscher fand: "Man sollte beim Bewerbungsgespräch keine Enttäuschung provozieren." (dpa/tmn)
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