Eine besondere Tour in eine außergewöhnliche Gegend - Reisebericht über Norwegen
Kurvenglück im Land der Fjorde (Teil1)

Eine beeindruckende Landschaft mit außergewöhnlichen Licht und Wolkenspielen prägt Norwegen. Hier die Suldalporten auf Fylke Rogaland. Bilder: Gunar Prauschke (2)
 
Oberpfälzertreffen an den Trollstigen: Günter Sommer aus Weiden (Mitte), unterwegs mit einer BMW R1100S, Gunar Prauschke (rechts) auf einer BMW K1200RS aus Tirschenreuth und ein Bikerkollege mit Bayernfahne aus Neunburg v. Wald, den beide zufällig an den Trollstigen getroffen haben.

Warum mit einem kraftvollen Sporttourer in gebückter Haltung mit nur 80 km/h erlaubter Höchstgeschwindigkeit reisen? Gibt es Abenteuer in einem europäischen Industrieland? Und dann noch die Bier- und Benzinpreise auf einem noch höheren Niveau als bei uns zu Hause! Wenn man nach Norwegen reist, kennt man die Preise, aber nur daran sollte man seinen Entschluss nicht festmachen.

Wir, das sind Günter Sommer aus Weiden und ich, Gunar Prauschke aus Tirschenreuth, wollten eine fahraktive Tour, soweit es geht fernab der durch Wohnmobile überfüllten Europastraßen, aber trotzdem auch die touristischen und landschaftlichen Höhepunkte erleben und erfahren. Die Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit machte eine detaillierte Reiseplanung unabdingbar. Hierfür empfehlen sich Kartenmaterial im Maßstab 1:250000, der Campingführer des norwegischen Campingverbandes, die tolle Internetseite www.visitnorway.com und Google Streetview, dort kann man sich auch die entlegensten Kreuzungen schon vorab einmal ansehen.

Anreise mit Kreuzfahrtflair

Natürlich kann man die ganze Reise auch zu Hause am PC entwerfen und dann auf sein Navi übertragen, das war für uns allerdings keine Option - ein Rest an Pfadfindergeist sollte doch bleiben. Auch die Anreise kann sehr unterschiedlich geschehen. Am bequemsten und mit Kreuzfahrtflair kann dies etwa für die Strecke Kiel - Oslo gebucht werden. Huckepack, also die Motorräder auf einen Hänger verladen und so wenigstens Nerven und Reifen quer durch Deutschland zu schonen, war für uns eine willkommene Lösung. Auto und Hänger durften während unserer Reise derweil Urlaub bei Verwandten in Schleswig Holstein machen.
Endlich auf der eigenen Achse ging es dann zur Schnellfähre nach Hirtshals in Dänemark, leider ist dieser Teil der Reise, egal wie man ihn gestaltet, ungefähr genauso aufregend wie das Reiten auf einer der dort heimischen Wanderdünen. Die Überfahrt dagegen umso mehr, der Hochgeschwindigkeitskatamaran begeisterte. Die erste Nacht in Norwegen, genauer in der Hafenstadt Kristiansand, verbrachten wir in einem schon von zu Hause aus gebuchten Hotel. Für den Rest der Reise suchten wir dann in den berühmten "Hyttas-Unterschlupf". Wer keine allzu großen Ansprüche an Luxus hat findet hier eine echte Alternative zum Hotel oder dem puristischen Zelt.

Natürlich gibt es die Hyttas auch in ganz unterschiedlichen Kategorien von der ganz einfachen Laube mit Stockbetten bis zur komplett ausgestatteten Ferienwohnung, der Preis macht dann den Unterschied. Doch zurück zur Reise an sich.

Buchten mit Sandstränden

Der Nordseeweg mit einem Abstecher zum Südkap mit dem Leuchtturm Lindesnesfyr war unsere erste Etappe. Sanfte Hügel, Buchten mit Sandstränden und von Wasser geschliffene Felsen prägen das Bild dieser Küstenlandschaft. Die Straßen dazwischen begeistern mit endlosen Kurven, die zum entspannten Cruisen einladen und dabei kommt auch das Landschaftserlebnis im Sattel nicht zu kurz. Ein Besuch der Altstadt von Stavanger rundet diese Küstenetappe ab. Wer's gerne deftig und süß mag, der sollte sich auf gar keinen Fall die historische Dampfbäckerei entgehen lassen. Nach solchen Genüssen sollte man unbedingt den am Lysefjord gelegenen Preikestolen, den Predigerfelsen erklimmen.
Grundbedingung hierfür - und das sollte nicht unterschätzt werden - festes Schuhwerk und die entsprechende Trittsicherheit. Ausreichende Kondition für einen zweistündigen Aufstieg, der es für Flachländer in sich hat, und nicht zuletzt absolute Schwindelfreiheit sollten ebenfalls vorhanden sein.

An der Kante der Felskanzel, naturbelassen und ohne Geländer, geht es 600 Meter senkrecht hinab in den Fjord. Wer dies alles berücksichtigt und wenn das Wetter passt, dem wird eine Aussicht beschert, die ihres Gleichen sucht. Nicht umsonst heißt der Fjord Lyse, also Lichtfjord. Nach solchen angenehmen Anstrengungen verließen wir nun die Küste und schlugen den Weg ins Land der Seen, Fjorde und Wasserfälle ein. Ab Eidfjord ging es hinauf auf die Hochgebirgsebene der Hardangervidda. Die Reichsstraße 7 führt hier zwischen den Bergriesen hindurch nach Geilo, einen Wintersportort, den man so auch in Österreich finden könnte, eben nur viel entspannter. Sehr zu empfehlen ist hier das Hardangervidda Naturzentrum - wird man hier doch auf diese einzigartige Landschaft und die vorherrschende Fauna und Flora eingestimmt.

Mitklettern mit dem Zug

Auf besonders imposante Weise gelingt dies mit einem Film, der von einem Hubschrauber aus mit Panoramakamera gedreht wurde. Leider blieben uns im Anschluss die mondäne Schönheit von Stahlheim, die schon Kaiser Wilhelm schätzte, und die Stahlheimskleiva mit ihren engen Kehren wegen einem Wolkenbruch verborgen. Die Flamsbahn, eine der schönsten Eisenbahnstrecken der Welt und dazu eine technische Meisterleistung, war unser nächstes Ziel. Auf einem Pfad, der für viele mehrspurige Fahrzeuge gesperrt ist, konnten wir bis zur Ausweichstelle der Züge "mitklettern".
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