14.02.2018 - 01:20 Uhr
Deutschland & Welt

Eine Braut berichtet von ihren Hochzeitsvorbereitungen – Frühzeitig planen, Kompromisse eingehen, Budget-Plan erstellen Ein Hochzeitstraum mit Kompromissen

(Von Mona-Isabelle Peter)

Die geliebte Heimatkirche, eine Burg mit herrlichem Ballsaal, ein glamouröses Prinzessinnenkleid – viele Frauen träumen jahrelang von der perfekten Hochzeit mit dem perfekten Mann. Dann ist er endlich da, der Tag, an dem ER die lang ersehnte Frage stellt – und die Gefühle fahren Achterbahn. Die Gedanken kreisen um nichts anderes mehr: Termin finden, Location wählen, Musik, Fotograf, Ringe, Brautkleid …

von Traum HochzeitProfil

Auch ich gehöre zu dieser Sorte Frau. Nachdem mich mein Freund gefragt hatte, ob ich ihn heiraten möchte, lief der Hochzeitstag schon vor meinem inneren Auge ab. Alles klapperte ich ab nach Inspirationen: Pinterest, Facebook, Zeitschriften, Messen, Ratgeber-Websites. Ich druckte mir mehrere Hochzeits-Checklisten aus, die aber doch alle denselben Inhalt hatten. Mein Zukünftiger musste mich regelrecht bremsen – ein Schritt nach dem anderen bitte!

Zunächst legten wir den Zeitpunkt fest. Für meinen Verlobten – an dieses Wort muss ich mich immer noch gewöhnen – und mich stand schon lange vor dem Antrag fest: Sollte es jemals bei uns soweit sein, heiraten wir im September. Da ist es weder zu warm noch zu kalt, Blumen blühen noch und der beginnende Herbst eröffnet prachtvolle Farbspiele. Nach kurzer Rücksprache mit den Familien hatten wir einen Termin für die große Feier gefunden – im September 2018. Er bildet seitdem den Mittelpunkt unseres Planungsmarathons.

Im Anschluss mussten wir uns darüber klar werden, in welchem Rahmen wir überhaupt feiern wollen. Soll es eine große Hochzeit werden oder eher klein, gemütlich und nur im engsten Kreis der Familie? Wir erstellten eine vorläufige Gästeliste mit allen Personen, die wir gerne dabei haben wollen. Das wird sich zwar wahrscheinlich noch ein paar Mal ändern – es kommen neue Leute dazu, andere werden wir wohl aus der Liste streichen – aber so behalten wir zumindest den Überblick. Wir konzentrierten uns allerdings so sehr auf unsere potentiellen Gäste, dass wir ganz vergaßen uns selbst zu den anwesenden Personen auf unserer Hochzeit zu rechnen …

Mit der Gästeliste in der Tasche machten wir uns auf die Suche nach Hotels, Sälen, Restaurants, die unseren Vorstellungen entsprechen. Dabei habe ich gelernt, Kompromisse einzugehen – nicht gerade eine meiner Stärken. Es ist wirklich unglaublich, wie weit im Voraus viele Paare mit den Hochzeitsvorbereitungen beginnen. Mit eineinhalb Jahren Vorlauf glaubten wir, auf der sicheren Seite zu sein. Doch einige Anfragen bezüglich der Location wurden tatsächlich abgelehnt, da die Räumlichkeiten zu unserem Wunschtermin bereits gebucht waren. So zum Beispiel ein heller, freundlicher Saal in einer Schloss-Gaststätte, die mitten in einem weitläufigen Park liegt. Wieder andere, wie den Festsaal auf einer Burg oder den Ausstellungsraum eines Dampflok-Museums, mussten wir aus Kostengründen aus unserer Vorauswahl streichen. An dieser Stelle womöglich der bedeutendste Tipp für alle angehenden Brautpaare: Ein Budget-Plan ist unabdingbar, um nicht den Überblick zu verlieren oder nach der Hochzeit ein „blaues Wunder“ zu erleben. Wir setzten für die einzelnen Posten ein Budget fest und achteten darauf, dies möglichst nicht zu überschreiten. Denn jedes „Ach, auf die 20 oder 50 Euro kommt es jetzt auch nicht mehr an“ treibt den Finanzplan in die Höhe. Und einer Sache darf sich jedes Brautpaar sicher sein: Es kommen immer wieder irgendwelche kleinere Ausgaben dazu, mit denen man nicht gerechnet hat.

Innerhalb von vier Monaten hatten wir die wichtigsten Dinge fix: DJ, Restaurant, Fotograf, Kirche Pfarrer, Ringe. Der Vorteil unserer langen Planungszeit war die große Auswahl, die wir bei den unterschiedlichen Dienstleistern hatten. Wir konnten uns relativ frei entscheiden und waren nicht auf eine zweite Wahl angewiesen. Allerdings war das wiederum auch der Nachteil: Wir sahen uns zu viele Alternativen an.

Das wirkte sich beispielsweise negativ auf die Einladungskarten aus. Nicht nur bei Pinterest und Facebook entdeckte ich einige wunderschöne Entwürfe mit Spitze und Satin-Bändern oder außergewöhnlichen Formen. Viele davon hatten die Bräute scheinbar selbst gebastelt. Das bewundere ich wirklich. Aber ganz ehrlich: Dazu fehlt mir die Zeit, die Geduld, das Geschick und auch die Kreativität. Also eben doch ein vorgefertigtes Design über einen Online-Anbieter beziehen und keine exklusive, individuelle Gestaltung. Auch so eine Kostenfrage.

Das wichtigste Thema für Bräute: das Traum-Brautkleid. Neun Monate vor der Hochzeit machte ich mich zum ersten Mal auf die Suche. Eine kluge Entscheidung. Denn die Beraterinnen wiesen mich darauf hin, dass es zwischen drei und sechs Monaten dauern könne, bis die Kleider in der richtigen Größe geliefert werden. Nach zwei Brautmodengeschäften und bestimmt 30 Kleidern verspürte ich dann endlich das ersehnte Herzklopfen. Zuvor hatte ich mich durch alle Stilrichtungen probiert – vom VoKuHiLa-Kleid über die Prinzessin und A-Linie bis hin zur Meerjungfrau. Nun bin ich nicht gerade groß und auch nicht besonders zierlich. Die Meerjungfrau und das VoKuHiLa sahen wirklich lächerlich aus. Aber ich habe es zumindest probiert und konnte deshalb den Stil für mich mit Bestimmtheit ausschließen.

Doch die Freude an dem Kleid währte nicht sehr lange. Schon ein paar Tage später bereute ich den Kauf. Oder zumindest, dass ich nicht noch einmal in einen meiner anderen Favoriten geschlüpft bin. War es wirklich das Kleid, in dem ich vor den Altar treten wollte? Die anderen Kleider hatten so viel mehr von dem, was ich mir ursprünglich vorgestellt hatte: schräg verlaufende Spitze, geschnürte Rückenpartie, eine lange, bestickte Schleppe. Doch ich hatte mir umsonst Gedanken gemacht. Ich probierte „mein“ Kleid noch einmal an – und schon als ich es am Bügel hatte hängen sehen, wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Die Fotos von allen Brautkleidern habe ich zu Hause sofort gelöscht. Das erste Bauchgefühl hat eben doch meistens Recht.

Grundsätzlich muss sich natürlich jedes Brautpaar selbst fragen, was es sich für seinen großen Tag wirklich wünscht. Sich an Konventionen zu orientieren, ist Blödsinn. Mein liebstes Beispiel sind Gastgeschenke. Sicher ist es eine nette Geste, für jeden Gast eine Kleinigkeit vorzubereiten. Aber ich habe schon oft gehört, dass diese liebevoll ausgewählten Präsente liegenbleiben. Das ist doch schade. Dann lieber etwas Praktisches. Ich persönlich finde selbstgemachte Marmeladen oder Liköre nett. Schön verpackt und mit einem Anhänger versehen dienen sie gleichzeitig als Platzkarten.

Noch etwas: Muss es unbedingt sein, den Trauzeugen, Brautjungfern, Eltern, Großeltern, Geschwistern, Blumenkindern, Ringträgern und so weiter ein Extra-Geschenk zu überreichen? Als Dankeschön sozusagen? Letztlich muss das ebenso jeder für sich selbst entscheiden. Vielleicht haben andere einen größeren Geldbeutel als ich. Aber an meinem Geburtstag schenke ich meinen Gästen doch auch nichts. Auf diesen kuriosen Trend bin ich über eine Facebook-Hochzeitsgruppe gestoßen. Und jedes Mal, wenn wieder eine Braut fragt „Was schenkt ihr euren Trauzeuginnen, Müttern … als Dankeschön?“, denke ich mir: „Also bitte – das ist eine Hochzeit und keine Weihnachtsfeier.“

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