05.02.2018 - 22:00 Uhr
Deutschland & Welt

Entkriminalisierung statt Prohibition Kripo-Bund für legales Cannabis

Wenn eine Substanz als gesundheitsschädlich gilt, gibt es in Deutschland meist nur eine Reaktion: Sie gehört verboten. Im Fall von Cannabis scheint dieser Konsens zu bröckeln - befördert durch eine Stellungnahme des Bundes der Kriminalbeamten.

Grünes Licht für Cannabis: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter hat ein Ende des Verbots gefordert, um Konsumenten zu "entkriminalisieren". Bild: Peter Endig/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg/Berlin. Mit einer speziellen Task Force bekämpft die Hamburger Polizei den Drogenhandel. Dabei erwischt sie aber meist nur die Konsumenten, nicht die Drahtzieher. Bestraft werden nur wenige. Im grün-regierten Berliner Bezirk Kreuzberg gilt die "Null-Toleranz-Strategie" bereits als gescheitert. Im Görlitzer Park kann man rund um die Uhr Marihuana oder Ecstasy kaufen. Hier sollen nun Parkmanager und Parkläufer Dealern klarmachen, dass sie nicht aggressiv auftreten und junge Frauen und Familien in Ruhe lassen sollen.

Prohibition falscher Weg

Ist der Weg des Verbietens sinnlos? Der Deutsche Hanfverband spricht sich seit Jahren für eine Legalisierung von Cannabis aus. Der Aufwand von Polizei und Justiz sei unverhältnismäßig, sagt Verbandsgeschäftsführer Georg Wurth. Die jahrzehntealte Legalize-Kampagne bekommt nun Rückendeckung von ungewohnter Seite. Auch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) will eine komplette Entkriminalisierung von Cannabis-Konsumenten.

"Die Prohibition von Cannabis ist historisch betrachtet willkürlich erfolgt und bis heute weder intelligent noch zielführend", sagt BDK-Chef André Schulz der "Bild". Das sei übrigens die Beschlusslage seines Verbandes seit 2014, betont der Hamburger Kriminalhauptkommissar. Schulz verweist auf die negativen Folgen der Repression wie die offene Drogenszene und Beschaffungskriminalität. Das Hauptproblem seien Alkohol und Tabak, Cannabis sei dagegen keine tödliche Droge.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht das anders. "Cannabis zu erlauben, wäre ein fatales Signal" sagt Vorsitzender Rainer Wendt. Er möchte aber auch nicht, dass seine Kollegen "für den Papierkorb" arbeiten. Konsumenten sollten zu einer verpflichtenden Beratung geschickt werden.

Die Durchsetzung des Drogenverbots sei zwecklos, zu teuer und schädige Gesellschaft und Konsumenten, meint auch der "Schildower Kreis", dem sich mehr als 100 Strafrechtsprofessoren angeschlossen haben. Bei den Sondierungen für eine Jamaika-Koalition hatten diese Position auch Grüne und FDP geteilt. Grünen-Politiker Cem Özdemir twitterte: "Wir sollten auf unsere Polizeiexperten hören: besseren Jugendschutz gibts nur bei #cannabis Entkriminalisierung."

Wirkung oft verharmlost

Während der Konsum von Alkohol und Tabak immer stärker reglementiert wird, scheint der Zug bei Cannabis in die entgegengesetzte Richtung zu fahren. Seit knapp einem Jahr ist die Droge als Medikament zugelassen. Einige Experten sehen dies mit großer Skepsis. Die enormen gesundheitlichen Gefahren durch den Cannabis-Wirkstoff THC seien durch internationale Studien bestens belegt, sagt der Facharzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Rainer Thomasius. Gerade bei Jugendlichen führe THC zu schweren Hirnschädigungen, verhindere eine altersgerechte Entwicklung und könne zu Psychosen oder gar Schizophrenie führen.

Auch der österreichische Psychiater Kurosch Yazdi warnt vor einer Verharmlosung von Cannabis. "Der Joint von heute ist anders als der Joint von früher", schreibt er in seinem Buch "Die Cannabis-Lüge". In modernen Züchtungen seien die THC-Konzentrationen im Vergleich zu den 60er und 70er Jahren regelrecht explodiert, während immer weniger von dem positiven Wirkstoff Cannabidiol enthalten sei. "Dadurch wird man natürlich stärker berauscht, aber auch eher psychotisch", so Yazdi.

Medizin und Droge

Cannabisprodukte gehören zu den ältesten bekannten Rauschmitteln und sind hierzulande die nach Tabak und Alkohol gängigsten Drogen. Seit Jahrtausenden dient Cannabis aber auch als Nutz- und Heilpflanze. Zunächst in China, später auch in Europa war die Hanfpflanze für die Kleiderproduktion wichtig. Als Droge spielte sie zunächst in Indien eine Rolle, kam dort aber auch gegen Lepra oder Fieber zum Einsatz. In Europa ist die Rauschwirkung erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Cannabis wird meist in Form von Haschisch oder Marihuana konsumiert. Der Hauptwirkstoff heißt Tetrahydrocannabinol (THC). (dpa)

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