Ex-Freundin mit Dutzenden messerstichen getötet
Höchststrafe im Metzgerei-Mord

Vor Augen seiner Kinder stach der Angeklagte seine Ex-Freundin nieder. Dafür wurde der 37-Jährige zu lebenslanger Haft verurteilt. Bild: dpa

Eine junge Mutter wird von ihrem Ex-Partner niedergestochen. Die drei kleinen gemeinsamen Kinder müssen zusehen. Der 37-Jährige erhält dafür die Höchststrafe - lebenslang Haft.

Ulm. Die 25-Jährige will mit ihren drei kleinen Jungs zum Kindergarten. Nach der Trennung von ihrem Ex hat sie einen neuen Partner gefunden. Sie ist wieder schwanger, in der 13. Woche, will bald heiraten. Plötzlich taucht ihr früherer Freund auf. Die beiden streiten. Der 37-Jährige zieht ein Messer. Die Frau flüchtet in eine nahe Metzgerei. Dort holt er sie ein. Er sticht mit aller Kraft auf sie ein. Sie sinkt blutend zu Boden. Er zieht ihren Kopf an den Haaren wieder hoch und macht weiter - 21 Mal, bis sie sich nicht mehr rührt. Mehrere Menschen in der Metzgerei müssen die Tat mit ansehen. Auch die Kinder (3, 5, 6) sehen zu, wie ihre Mutter stirbt.

Der Fall von Donzdorf schockiert die Öffentlichkeit. Die Staatsanwaltschaft verlangt lebenslange Haft. Nach Auffassung des Gerichts ermordete der Mann seine Ex-Partnerin - heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen. "Er konnte es nicht ertragen, dass sie sich einem neuem Mann zugewandt hat", sagte Richter Gerd Gugenhan am Montag. Sie habe sich nicht wehren können. Die Verteidigerin hatte hingegen auf zwölf Jahre Haft wegen Totschlags plädiert.

Jugendpsychiater Lutz Goldbeck hatte in dem Prozess die dramatischen seelischen Folgen für die hinterbliebenen Kinder aufgezeigt. Alle zeigen Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung. Die Kinder seien froh, dass sie "die Schrecken des Zusammenlebens in der Familie" hinter sich lassen konnten, sagte Goldbeck. Täter und Opfer waren von 2008 bis 2015 liiert. Immer wieder kommt es zur Gewalt. Der 27-Jährige schlägt Frau und Kinder.

Angebliche Erinnerungslücke

Mit der Trennung wird das Verhältnis nicht einfacher: Er stellt ihr nach, schreibt ihr Hunderte Nachrichten. Wieder und wieder setzt er sich über ein gerichtliches Annäherungsverbot hinweg. Staatsanwalt Stefan Adamski spricht von "permanentem Psychoterror" und "absolutem Besitzanspruchsdenken". Dann erfährt er von ihrer Schwangerschaft.

Nach der Tat kauft er in einem nahen Supermarkt Alkohol und betrinkt sich. Kurz darauf nimmt die Polizei ihn mit fast vier Promille fest. Vor Gericht will er sich nicht mehr an die Tat erinnern. Er sei aber organisiert und zielgerichtet vorgegangen, urteilte Gugenhan.

Die Anwältin des 37-Jährigen spricht hingegen von einem "Blackout" und einer "Verzweiflungstat" und will in Revision gehen. Die Messerstiche seien nicht geplant gewesen. Die Ex-Freundin habe ihn vorher immer wieder provoziert und mit der Gewalt rechnen müssen. Die Mutter des 37-Jährigen habe ihn zudem geradezu angestachelt. Sie soll gesagt haben, dass sie stolz wäre, wenn er seine Ex-Freundin umbringen würde. Dann würde er zwar ins Gefängnis gehen, aber immerhin sei er dann ein echter Mann.
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