Festnahme eines mutmaßlichen Vergewaltigers in Bochum
Hilfreiche DNA-Spuren

Der Campus der Ruhr-Universität. Im August und im November waren zwei Frauen in der Nähe der Bochumer Universität vergewaltigt worden. Bild: dpa

Die Diskussion über den Fall der getöteten Freiburger Studentin ist noch im vollem Gange, da sorgt eine Festnahme in Bochum für Aufsehen. Für zwei Sexualdelikte im Uni-Viertel machen die Ermittler einen Familienvater (31) verantwortlich.

Bochum. Nach dem Fahndungserfolg im Fall der getöteten Freiburger Studentin sorgt nun die Revierstadt für Aufsehen. Dort wurde ein Mann unter Vergewaltigungsverdacht festgenommen, Opfer waren zwei chinesische Studentinnen. Der Tatverdächtige sei Asylbewerber aus dem Irak und sei mit Frau und zwei Kindern 2015 nach Deutschland gekommen. Sie hätten in einer Flüchtlingsunterkunft nahe der Tatorte gelebt, sagte Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Mord, Vergewaltigung und gefährliche Körperverletzung vor. Dieser bestritt die Vorwürfe.

DNA: Gleicher Täter

Im August war eine 21-jährige Studentin schwer verletzt worden. Außerdem hatte der Täter versucht, die Frau zu vergewaltigen. Die Polizei hatte eine Mordkommission eingesetzt. Im November war eine 27-Jährige das Opfer. Hier kam es zu einer Vergewaltigung. Die Polizei hatte mit Phantombildern nach dem Mann gesucht. Ein DNA-Test hatte zuvor ergeben, dass beide Taten vom selben Täter begangen wurden.

Der entscheidende Hinweis kam den Ermittlern zufolge vom Lebensgefährten des zweiten Opfers. Dieser hatte demnach vergangene Woche in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe des zweiten Tatorts einen Mann bemerkt. Geistesgegenwärtig machte er mit dem Handy zahlreiche Fotos von ihm. Der Mann rannte weg.

Mit den "erstklassigen Bildern", wie Kriminalhauptkommissar Roland Wefelscheidt das Material bei einer Pressekonferenz in Bochum nannte, konnte die Polizei den Tatverdächtigen wenig später in einer Flüchtlingsunterkunft in der Nähe ausfindig machen. Er gab eine Speichelprobe ab. Als am Montag die DNA der Probe mit der Täter-DNA übereinstimmte, wurde der Mann festgenommen. Es werde überprüft, ob er mit weiteren Straftaten in Zusammenhang stehe. Die beiden Opfer sind nach Worten Wefelscheidts "sehr gefasst". "Die müssen das jetzt verarbeiten." Ob es eine Rolle spielt, dass beide Opfer Chinesinnen waren, weiß die Polizei noch nicht.

Die Fälle hatten im Ruhrgebiet an das "Uni-Phantom" erinnert, das zwischen 1994 und 2002 im Raum Sprockhövel im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Bochum 21 Frauen missbraucht hatte. Die Polizei hatte schnell ausgeschlossen, dass der damalige Täter auch für die aktuellen Delikte verantwortlich ist.

Regelungen ändern

Auch der Fall der getöteten Freiburger Studentin wird weiter diskutiert: So wurde der Ruf nach einer umfassenderen Auswertung von DNA-Spuren lauter. Bei der Tätersuche in diesem Fall hätte das massiv geholfen, sagte der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger. Seit Freitag sitzt ein 17-Jähriger unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Der Flüchtling aus Afghanistan soll die 19 Jahre alte Maria L. Mitte Oktober vergewaltigt und getötet haben.

Bislang darf DNA, die am Tatort gefunden wird und wahrscheinlich vom Täter stammt, laut Gesetz nicht auf Merkmale wie Augen-, Haar- oder Hautfarbe analysiert werden, auch wenn sich damit die Suche eingrenzen ließe. Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf forderte länger schon mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren und kündigte eine entsprechende Initiative an. Bundesjustizminister Heiko Maas zeigte sich offen für eine Diskussion darüber auf der nächsten Justizministerkonferenz.
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