05.07.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Flugsicherung will aufklären Drohnen -- Segen und Gefahr

Filmaufnahmen von oben, Hilfe für Rettungskräfte oder Paketlieferungen aus der Luft - die Einsatzmöglichkeiten für Drohnen sind vielfältig. Die unbemannten Flieger breiten sich rasant aus. Das beunruhigt die Deutsche Flugsicherung.

Ein Mitarbeiter der Firma HP Wüst demonstriert wie mit einem elektronischen Störsender eine Drohne zur Landung gezwungen wird. Bild: Andreas Arnold/dpa
von Agentur DPAProfil

Langen. Wenn die Piloten am größtem deutschen Flughafen in Frankfurt zur Landung ansetzen, ist alles genau geregelt. Vom Tower des Airports haben sie die Freigabe für die Landebahn, am Boden stehen Feuerwehren für den Notfall bereit und die Deutsche Flugsicherung (DFS) im benachbarten Langen überwacht ständig den Luftraum, um Zusammenstöße von Flugzeugen zu vermeiden. Eine Gefahr aber ist für Piloten unberechenbar: Drohnen.

Ihre Zahl im deutschen Luftraum steigt stetig. Mit 600 000 verkauften Exemplaren rechnet die Flugsicherung allein in diesem Jahr - angeschafft von Hobbyfliegern, Modellpiloten und Firmen. Während manche Skifahrer ihre Künste gerne aus der Luft filmen lassen, nutzen Unternehmen Drohnen etwa beim Obstanbau, um von oben Erkenntnisse über Schädlingsbefall zu gewinnen. Der Trend, Erlebnisse in sozialen Netzwerken zu teilen, beschleunigt die Verbreitung weiter. "Die Revolution im Luftverkehr durch Drohnen lässt sich nicht aufhalten", sagt DFS-Geschäftsführer Michael Hann.

Das löst Nervosität bei der Behörde ebenso wie bei Piloten aus. Denn schon Drohnen für Hobbyflieger, die es für einige hundert Euro im Internet zu kaufen gibt, können bis zu einen Kilometer hoch fliegen - und werden zur Gefahr für Hubschrauber und landende Flugzeuge. Immer wieder melden Piloten Drohnen, die sie mit bloßem Augen erst in wenigen Metern Entfernung erkennen. In diesem Jahr sei ein neuer Rekord bei Behinderungen im Luftverkehr durch Drohnen zu erwarten, sagt Hann. 2016 habe es 64 Vorfälle gegeben - fast fünf Mal so viele wie im Vorjahr.

"Wie ein Geschoss"

Kollisionen gab es zwar noch keine. Doch geraten Drohnen in Triebwerke von Jets, stehen Leib und Leben der Passagiere auf dem Spiel. Auch Cockpitscheiben könnten bei Zusammenstößen bersten, warnt die DFS. Gerade tief und schnell fliegenden Helikopter seien gefährdet. "Selbst Drohnen, die nur in der Luft stehen, wirken da wie ein Geschoss", warnt die Flugsicherung.

Diese will angesichts der technologischen Chancen von Drohnen aufklären. Sie könnten Rettungskräften bei Unfällen einen Überblick aus der Luft verschaffen und Blutkonserven ausfliegen, Pakete liefern, selbst Transporte von Menschen seien denkbar, sagt Hann. "Wir setzen nicht auf Verbote, sondern wollen die neuen Teilnehmer fair in den Luftverkehr integrieren." Private Nutzer müssten besser informiert werden, "damit sie wissen, was sie tun".

Seit April gelten zwar schärfere Gesetze. Auf vielen Drohnen müssen Name und Adresse des Halters vermerkt sein. Ein zentrales Register aber, wie von der DFS gefordert, gibt es nicht. "Wenn Hunderte Drohnen in der Luft sind, müssen wir wissen, wem sie gehören", kritisiert sie. Zudem müsse sie Drohnen orten können. Die Angaben darauf ließen sich leicht fälschen, sagt auch Staatssekretär Norbert Barthle vom Bundesverkehrsministerium. "Da kann jeder Max Mustermann drauf schreiben."

Flugobjekte "chippen"

Die Flugsicherung arbeitet mit der Telekom an einem Projekt, um Drohnen mit einem Chip auszustatten und Positionsdaten zu sammeln. Zwar wurde mit der Drohnenverordnung die erlaubte Flughöhe nahe Airports auf 50 Meter gedeckelt. Auch müssen Drohnen 1,5 Kilometer Abstand zum Flughafen einhalten - nur hält sich nicht jeder dran.

Drohnen bereiten auch anderen Sorgen. "Es geht uns um Aufnahmen von Prototypen auf Teststrecken", sagt Daimler-Sicherheitsexperte Sebastian Welzbacher. Regierungen fürchten Terroranschläge und Gefängnisse Waffenschmuggel über Mauern hinweg. Reiche beunruhigen Flugobjekte, die über ihren Villen heimlich Fotos machen. Die Deutsche Telekom hat mit Partnern ein Drohnen-Schutzschild entwickelt. Damit ließen sich Flugobjekte aus 2,5 Kilometern Entfernung per Scanner und Radar orten. 30 000 Euro müssen Interessierte mindestens ausgeben. Mit Störsendern aus der Bahn werfen darf man Drohnen aber nur mit behördlicher Genehmigung.

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