Formula-Diät nicht für alle geeignet
Pulver kein Allheilmittel

Schnell in Wasser eingerührt, ersetzt ein Formula-Drink eine ganze Mahlzeit. Das ist praktisch, aber ohne ärztlichen Rat sollte man sich nicht ausschließlich davon ernähren. Bild: dpa

Abnehm-Pulver können stark Übergewichtigen helfen, ihr Gewicht zu reduzieren. Sie eignen sich aber weniger für jene, die nach den Schlemmereien in der Weihnachtszeit zwei oder drei Kilos loswerden wollen.

München. Das Prinzip ist einfach, und bequem ist es auch: Mit fettarmer Milch oder Wasser werden Abnehm-Pulver oder Granulate angerührt, fertig ist eine Suppe oder ein Drink. Diese breiige oder flüssige Kost ersetzt komplette Mahlzeiten - und schon purzeln die Pfunde. Doch um den Speck, den man sich in der Weihnachtszeit angefuttert hat, wieder loszuwerden, eignet sich diese Methode nicht.

Mit den Pulvern ist zwar eine Gewichtsabnahme von 0,5 bis 2 Kilogramm pro Woche möglich, sagt Prof. Johannes Georg Wechsler, Facharzt für Innere Medizin aus München. Wer schnell ein paar Kilogramm abnehmen will, setzt aber besser auf eine fett- und kohlenhydratreduzierte Kost. Nur so entwickle der Betroffene ein Bewusstsein für eine gesunde Ernährungsweise und dafür, was dem Körper gut tut. So sieht es auch Prof. Alfred Wirth von der Deutschen Adipositas Gesellschaft. Aus Sicht beider Mediziner eignet sich eine sogenannte Formula-Diät mit Abnehm-Pulvern in erster Linie für stark übergewichtige Menschen, die sehr viele Kilos abnehmen wollen.

Mit Nebenwirkungen

"Eine Formula-Diät sollte allerdings auch bei stark Übergewichtigen nur dann gemacht werden, wenn über einen anderen Weg eine Gewichtsabnahme nicht erfolgreich war", betont Wirth. Die Diät ist zwar nicht gefährlich - aber sie ist radikal. Die Gesamtenergiemenge, die Abnehmwillige damit täglich zu sich nehmen, beträgt im Schnitt 800 bis 1200 Kilokalorien. Zum Vergleich: Normalerweise nimmt ein Mann durchschnittlich 2600, eine Frau durchschnittlich 2300 Kilokalorien täglich zu sich. Eine Formula-Diät deckt also höchstens die Hälfte des täglichen Bedarfs ab. Darum nimmt man mit dem Pulver auch so schnell ab. Der rasche Gewichtsverlust kann aber unangenehme Begleiterscheinungen haben - Schwindel zum Beispiel oder eine verminderte Leistungsfähigkeit.

Wer mit einer Formula-Diät abnehmen will, geht am besten zunächst zum Arzt und bittet ihn um Hilfe. "Das Abnehmen sollte Teil eines medizinisch betreuten Ernährungsprogramms sein", betont Wechsler, der Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner (BDEM) ist. In einem solchen Programm soll der Patient vor allem lernen, welche Lebensmittel seinem Körper gut tun und wie er seine Ernährung auf eine gesunde Kost umstellt. Nur so sei ein langfristiger Erfolg wahrscheinlich. Vorübergehend können Formula-Diäten im Rahmen eines des Abnehmprogramms als vollständiger Nahrungsersatz sinnvoll sein. "Möglich ist auch, dass eine Formula-Diät längerfristig Ersatz von ein oder zwei Mahlzeiten pro Tag ist", erklärt Wirth. Am besten klärt man das genaue Vorgehen im Gespräch mit dem Arzt.

Formula-Diäten unterliegen der Diätverordnung. Das heißt, für ihre Herstellung gelten strenge Vorgaben. Über die Pulver muss der Körper alle wichtigen Nährstoffe bekommen. Dazu gehören neben bestimmten Anteilen an Kohlenhydraten, Fett und Proteinen auch Vitamine und Mineralstoffe. Auf den Packungen müssen Brennwert und die Inhaltsstoffe des Pulvers genau angegeben sein.

Vorgeschrieben ist auch der Hinweis, dass das Produkt ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Wochen verwendet werden darf. "Angaben über die Höhe einer möglichen Gewichtsabnahme oder die dafür erforderliche Zeit dürfen dagegen nicht gemacht werden", betont Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Abnehmwillige müssen ihr zufolge neben den Diät-Drinks mindestens zwei Liter am Tag trinken. Am besten eignen sich kalorienfreie Getränke wie Wasser und ungesüßte Kräuter- oder Früchtetees.

Auch Gahl warnt davor, einfach auf eigene Faust mit Pulvern abzunehmen. Denn bei einer Formula-Diät ist der Lerneffekt gering. Der Betroffene nimmt zwar ab, verfällt aber danach möglicherweise in seine gewohnt ungesunden Ernährungsmuster. Im Ergebnis nimmt man schlimmstenfalls hinterher schnell wieder zu. Ein weiterer Nachteil der bequemen Pulver-Kost: Trotz unterschiedlicher Geschmacksrichtungen ist das breiige Essen auf Dauer ziemlich eintönig.

Grundsätzlich ungeeignet ist eine Formula-Diät der DGE zufolge für Menschen mit einer schweren Krankheit oder Infektion, Menschen jenseits der 70 sowie für schwer körperlich Arbeitende und Leistungssportler.

Obst und Gemüse

Wer ohne Formula-Pulver Gewicht verlieren möchte, kann zum Beispiel versuchen, wenig Kohlenhydrate und Fett, dafür aber mehr Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. "Zum Frühstück kann es dann zum Beispiel statt Brötchen mit Wurst und Käse Vollkornbrot mit Marmelade oder einen Obstteller geben", erklärt Wirth. Das Obst ist vergleichsweise kalorienarm, macht trotzdem satt und versorgt den Körper mit Vitaminen. Über den Tag verteilt sollte es dann kleinere Mahlzeiten mit einem hohen Anteil an Gemüse und Salat geben. Insgesamt ist diese Art der Ernährung deutlich abwechslungsreicher als die Pulver-Kost. Und: "Auch so lassen sich gute Abnehmerfolge erzielen", sagt Wirth.

Das Abnehmen sollte Teil eines medizinisch betreuten Ernährungsprogramms sein.Georg Wechsler, Facharzt für Innere Medizin, München
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