10.10.2017 - 21:32 Uhr
Deutschland & Welt

Frankfurt auf Französisch: Buchmesse mit Ehrengast Frankreich eröffnet – 200 Autoren erwartet "Francfort en français"

Frankfurt/Main. In wenigen Tagen wird ein neuer Asterix erscheinen - im 37. Band hat es den legendären kleinen Gallier nach Italien verschlagen. Im französischen Pavillon auf der Frankfurter Buchmesse wird man Asterix aber vergeblich suchen. Stattdessen lernt der Besucher den Comic-Zeichner Riad Sattouf kennen, der im Buch "L'Arabe du futur" ("Der Araber von morgen") seine Lebensgeschichte zwischen Libyen, Syrien und Frankreich erzählt.

Präsident Emmanuel Macron und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) eröffnen die Buchmesse gemeinsam mit einem Hämmerchen - beobachtet von Börsenvereinschef Heinrich Riethmüller (Mitte). Bild: Arnold/dpa
von Agentur DPAProfil

In seiner großen Comic-Abteilung hat Ehrengast Frankreich bewusst nur Autoren mit jüngeren Arbeiten versammelt. Die sprengen beim Erzählen mit dem Zeichentrick schon längst die Genres. Auch Krimis sind populär in Frankreich, das seit Jahrzehnten eine große Comic-Tradition gerade auch für Erwachsene hat.

Im Pavillon wird der Besucher durch teils haushohe Tragwerke aus Holzleisten durch die französische Literaturlandschaft gelotst. Sieben Kilometer an Leisten haben die Franzosen für den gesamten Parcours benötigt, gefertigt von einer deutschen Firma. Insgesamt wirkt alles hell und freundlich sowie klar strukturiert - die Brasserie darf natürlich nicht fehlen. In den Tragwerken sind 40 000 Bücher untergebracht. "Wir verstehen uns als große Bibliothek", sagt Designer Ruedi Baur, der den Pavillon mit Studenten der Kunsthochschule in St. Etienne angelegt hat.

Unter dem Motto "Francfort en français" ("Frankfurt auf Französisch") werden bis zum Sonntag auf den verschiedenen Lesebühnen fast 200 Autoren erwartet - so viele hat noch nie ein Ehrengast zur Buchmesse geschickt. Darunter ist die gesamte Crème de la Crème. Die Schriftsteller kommen auch aus Afrika, Haiti oder Quebec: Frankreich will seinen Sprachraum mit 270 Millionen Menschen präsentieren. Die frankophonen Westschweizer haben aus Genf eine Replika der hölzernen Gutenberg-Presse geschickt. Dort werden alle Autoren jeweils die erste Seite ihres letzten Buches auf Französisch und Deutsch drucken lassen.

Es gibt eine in Lyon entwickelte digitale Leseinstallation ("Livre in Room"), die in einer Lesekabine das Eintauchen in Fantasiewelten möglich macht. Andere junge Franzosen haben für Instagram eine Zeichentrickserie mit Musik entwickelt. Frankreich will also zeigen, dass es auch bei den neuen Medien auf der Höhe der Zeit ist. Ein Thema ist die Beziehung zwischen dem Französischen und dem Deutschen. Es geht darum, welche Wörter wir aus dem Französischen entlehnt haben. Und darum, was die Sprachen trennt. So stellt die französische Philosophin Barbara Cassin ihr "Dictionary of Untranslatables" - es geht um Wörter, die kaum zu übersetzen sind. Dazu zählt sie das Wort "Schuld(en)" - französisch heißt das "dette(s)".

Aus Cassins Sicht wiegt das Wort Schuld schwerer - im Französischen entspreche "dette" einer Verpflichtung. Europa wird also beim brisanten Thema Schulden wohl nie mit einer Zunge sprechen. Aber das wusste schon der Gelehrte Wilhelm von Humboldt. Von ihm ist im Pavillon zu lesen: "Kein Wort einer Sprache ist in einer anderen Sprache gleich."

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