08.11.2017 - 14:26 Uhr
Deutschland & Welt

Freiberufliche Hebammen besorgt über Entscheidung von Schiedsstelle Einschnitte in die Berufsausübung

Eine Schiedsstelle, die zwischen den Hebammen-Vertreterinnen und den Gesetzlichen Krankenkassen vermitteln sollte, hat am 5. September in Berlin weitreichende Einschnitte in die Berufsausübung von freiberuflichen Hebammen beschlossen.

von Abenteuer FamilieProfil

Beleghebammen haben ab dem Jahr 2018 Einschränkungen bei der Abrechnung von Leistungen. Zukünftig sollen sie nur noch die Betreuung von zwei Frauen gleichzeitig abrechnen können, ungeachtet der aktuellen personellen Situation in der jeweiligen Klinik. Sie verantworten 20 Prozent der Geburtshilfe in Deutschland.

Der Deutsche Hebammenverband e.V. (DHV) befürchtet, dass Beleghebammen aus der Geburtshilfe aussteigen und damit Engpässe entstehen. Die aufsuchende Wochenbettbetreuung wird durch ambulante Betreuung ergänzt. Damit wird die in Deutschland einmalige Betreuung von Frauen nach der Geburt zu Hause ausgehöhlt. Eine durchschnittliche Erhöhung der Vergütung für freiberufliche Hebammenleistungen von 17 Prozent tritt in Kraft. Bis 2020 sind keine weiteren Steigerungen möglich. Da die Grundvergütung von Hebammen bisher gering war, hat diese Erhöhung nach Meinung des DHV zu wenig Wirkung.

„Wir befürchten, dass die Entscheidung der Schiedsstelle gravierende Auswirkungen auf die geburtshilfliche Versorgung von Frauen in Deutschland haben werden“, so Martina Klenk, Präsidentin des DHV. „Es gibt massive Einschnitte in unsere Berufsausübung, ohne die Rahmenbedingungen wie beispielsweise genügend Personal anzupassen. Eine gute Qualität in der Geburtshilfe erreichen wir mit ausreichend Hebammen, nicht mit weniger Leistung durch Hebammen“, meint Klenk.

Der Deutsche Hebammenverband fordert seit Jahren eine Eins-zu-eins-Betreuung von einer Hebamme für eine Frau während der Geburt. Diese intensive Betreuung ist jedoch nur mit mehr Hebammen erreichbar. „Wir fragen uns: Wo sollen die Hebammen herkommen? Die neuen Bestimmungen bedeuten keine Qualitätssteigerung und sind kein Anreiz für Hebammen, in die Geburtshilfe zu gehen oder zurückzukehren“, betont Klenk. Bereits seit Jahren ziehen sich immer mehr Hebammen aus der freiberuflichen Geburtshilfe aufgrund der schlechten Rahmenbedingungen zurück.

Der Beschluss der Schiedsstelle gilt rückwirkend zum 15. Juli 2017. Die Strukturveränderung im Bereich der Beleghebammen-Tätigkeit muss bis zum 1. Januar 2018 umgesetzt werden.

Quelle: Deutscher Hebammenverband e. V.

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