Für Christen beginnt die Fastenzeit
Ausgefeiert

Nur Wasser und Brot - von derart strengen Fastenmethoden rät eine Ernährungsexpertin ab. Bild: Armin Weigel/dpa

Am Aschermittwoch hat es sich "ausgefeiert". Für Christen beginnt heute die 40-tägige Fastenzeit als Vorbereitung auf das Osterfest.

Weiden. (m) Doch auch, wer nicht religiös ist, nutzt die Wochen vom Ende des Winters bis zum Frühlingsbeginn häufig für eine "Fastenkur". Übertreiben sollte man es damit allerdings nicht, sagt Antje Betz, Diät-Assistentin am Klinikum in Weiden: "Ich rate von allem Extremen ab."

Vor allem das ganz strenge "Heilfasten" sieht die Expertin kritisch: "Gar nichts essen sollte niemand." Wer sich trotzdem für extremere Formen des Verzichts auf Nahrung interessiert, der sollte betreute Angebote wahrnehmen. "Es gibt ja geschulte Fastenleiter", sagt Betz: "Ich empfehle da schon eine Anleitung." Zum Abnehmen sei das Heilfasten im Übrigen nicht geeignet: "Es geht eher darum, eine körperliche und geistige Selbsterfahrung zu machen."

Senioren, Schwangere, stillende Mütter und Kinder sollten nach Ansicht der Diät-Assistentin das Fasten ganz sein lassen. Auch gebe es bestimmte Erkrankungen, bei denen man seine Ernährung nicht radikal ändern dürfe. "Bewusster essen kann jeder, weniger nicht", bringt Betz es auf den Punkt.

Sie rät, die Fastenzeit eher dafür zu nutzen, um auf bestimmte Genuss- oder Lebensmittel wie Alkohol, Zucker oder Wurst zu verzichten. "Das ist in meinen Augen sehr sinnvoll, weil es zu einer Auseinandersetzung mit sich selbst und zu einer gesünderen Lebensweise führt."

Bewusster essen kann jeder, weniger nicht.Antje Betz, Diät-Assistentin am Klinikum Weiden

Regensburg/Hamburg. Mehr als die Hälfte der Deutschen hält es einer repräsentativen Umfrage zufolge für eine gute Idee, in der Fastenzeit auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut zu verzichten. Mehrere Wochen ohne Süßigkeiten, Alkohol, Fleisch oder Fernsehen zu leben, finden 43 Prozent sinnvoll, 14 Prozent sogar sehr sinnvoll, ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit. Für zeitweise verzichtbar halten die Befragten zum Teil auch das Rauchen, das Internet und das Auto. Von diesen Formen des Fastens versprechen sich die Befragten weniger Stress und mehr Zeit für sich und Freunde.

"Klimafasten"

Die Nordkirche in Deutschland ruft zusammen mit acht weiteren evangelischen Landeskirchen und dem katholischen Bistum Hildesheim zusätzlich zum "Klimafasten" ab Aschermittwoch auf. In der traditionellen Passionszeit sollen die Gläubigen nicht allein der Leiden Christi gedenken, sondern auch weniger klimaschädliches Kohlendioxid produzieren.

Im Bistum Regensburg findet keine besondere Fastenaktion statt. Clemens Neck, Pressesprecher der Diözese, verweist auf die traditionelle Fastenordnung der katholischen Kirche, das Hirtenwort von Bischof Rudolf Voderholzer sowie die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks "Misereor". Auch mache das Bistum spezielle Exerzitienangebote. "Die Fastenzeit ist eine ganz normale Phase im Kirchenjahr", sagt Neck.

Neben der Einhaltung bestimmter Ernährungsregeln rücke die katholische Fastentradition das Thema "Beichte" in den Mittelpunkt. "Man sollte vor allem wieder ins Gebet kommen", rät Neck. Letztendlich sei die Fastenzeit eine Zeit der Umkehr. "Fasten heißt, mal innezuhalten und Alltagsroutinen zu durchbrechen, um Raum zu schaffen und sich mit Christus auseinanderzusetzen", erklärt der Pressesprecher. Die deutschen Bischöfe sehen laut Katholischer Nachrichtenagentur den Sinn der Fastenzeit darin, sich selbst und seinen Lebensstil "so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, heilsamen Verzicht und neue Sorge füreinander Christus wieder mehr Raum" im Leben gewinnen kann.

"Nicht kneifen"

Die evangelisch-lutherische Kirche in Deutschland ruft seit 30 Jahren in der Fastenzeit zur Aktion "7 Wochen ohne" auf. Das Motto wechselt dabei von Jahr zu Jahr; heuer heißt es "Zeig Dich! Sieben Wochen ohne Kneifen". Evangelische Christen sollten bis Ostern in besonderem Maße für ihre Überzeugungen einstehen, sich für andere einsetzen und Mut zum Widerspruch haben.

Die Fastenzeit ist eine ganz normale Phase im Kirchenjahr.Clemens Neck, Pressesprecher des Bistums Regensburg
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