16.07.2017 - 21:52 Uhr
Deutschland & Welt

Funkgerät defekt: Abfangjäger zwingen Passagierflugzeug zur Landung

Gleich zweimal an einem Wochenende steigen Bundeswehrjets auf, weil der Funkkontakt zu Passagierflugzeugen abgebrochen ist. Eine Maschine wird zur Landung in Stuttgart gedrängt. Dass sich die Fälle häufen, liegt Experten zufolge an der Jahreszeit.

Eurofighter der Bundeswehr wie dieser mussten am Wochenende gleich zweimal starten, weil der Funkkontakt zu Passagierflugzeugen abgebrochen war. Die Abfangjäger zwangen eine der Maschinen zur Landung in Stuttgart. Wie sich herausstellte, war das Funkgerät defekt. Archivbild: Rainer Jensen/dpa
von Agentur DPAProfil

Stuttgart. Es sind oft Minuten lähmender Ungewissheit. Wenn der Funkkontakt zu einem Flugzeug abbricht, müssen deutsche Behörden das Schlimmste annehmen: Wurde der Flieger entführt? Handelt es sich um einen Terroranschlag? Wenn sich die Besatzung dann tatsächlich nicht mehr meldet, steigen Bundeswehrjets auf. Passiert ist das am Wochenende gleich zweimal - erst in der Grenzregion von Hessen und Bayern, danach über Stuttgart.

"Der häufigste Grund, dass die Luftwaffe angefragt wird, ist, dass kein Funkkontakt hergestellt werden kann", sagt ein Sprecher der Luftwaffe. Bundesweit etwa ein- bis zweimal im Monat rückten sogenannte Abfangjäger aus, weil der Funkkontakt unterbrochen ist. Dass sie eine Maschine tatsächlich zum Landen zwingen - so wie am Samstag in Stuttgart - sei aber "eine Besonderheit".

Funkgerät defekt

Die Boeing 777 der Korean Air war mit 211 Passagieren auf dem Weg von Seoul nach Zürich, als der Kontakt abbrach. Daraufhin stiegen die Eurofighter auf - was im Großraum Stuttgart zu zwei Überschallknallen führte. Nachdem das Flugzeug gelandet war, wurde der Polizei zufolge festgestellt, dass das Funkgerät defekt war. Eine Zwangslandung wegen abgebrochenen Funkkontakts ist auch nach Einschätzung des Stuttgarter Flughafens eine Seltenheit. "Hier war das eine Premiere", erklärt Sprecherin Beate Schleicher.

Erst am Vorabend hatte eine ägyptische Passagiermaschine Überschallflüge zweier Bundeswehrjets in der Grenzregion von Hessen und Bayern ausgelöst. Auch in dem Fall hatten die deutschen Behörden keinen Funkkontakt herstellen können. Der Grund war ebenfalls harmlos: Die Besatzung hatte nach ersten Erkenntnissen eine falsche Frequenz eingestellt.

Sechsmal Terrorverdacht

"Die beiden Fälle haben nichts miteinander zu tun", erklärt der Experte der Luftwaffe. Warum sich die Einsätze der Abfangjäger aber gerade jetzt häufen? "Es hängt damit zusammen, dass Ferienzeit ist", meint er. "Das ist wie auf der Autobahn: Wenn da mehr unterwegs sind, passiert auch mehr." Ob die Abfangjäger dann tatsächlich aufsteigen, sei abhängig vom Einzelfall. "Es wird nicht sofort eskaliert." Wann die Jets starten, hänge von mehreren Kriterien ab - eines davon sei die Flugroute der betreffenden Maschine. Überfliege sie "sensible Punkte" wie ein Atomkraftwerk oder Großstädte, werde eher eingegriffen. "Dann sind die Nerven nicht ganz so stark." Nach Zahlen des Verteidigungsministeriums von Ende 2016 stiegen Eurofighter in den vergangenen fünf Jahren sechsmal wegen Terrorverdachts auf. Immer habe es Entwarnung gegeben.

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