Gelingt ein Bild von einem Schwarzen Loch?
Astronomen auf Fotojagd

Diese von der NASA bereitgestellte künstlerische Darstellung zeigt einen Stern, der von einem schwarzen Loch geschluckt wird und einen Schweif aus Röntgenstrahlen, dargestellt in Rot, abgibt. Seit 50 Jahren sprechen Wissenschaftler vom Schwarzen Loch, aber fotografiert haben sie noch nie eins. Mit einem weltweiten Netzwerk von Teleskopen hoffen Forscher nun auf das ersehnte Bild. Bild: M.Weiss/NASA/Chandra X-ray Observatory/AP/dpa

Mysterium Schwarzes Loch: Noch nie wurde eins fotografiert. Das könnte sich jetzt ändern. Mit einem weltweiten Netzwerk von Teleskopen hoffen Forscher auf den Durchbruch - und das langersehnte Bild.

Cambridge. In Hollywood-Filmen war schon oft eines zu sehen, aber in der Wirklichkeit warten Wissenschaftler auf der ganzen Welt sehnlichst darauf: auf ein Bild von einem Schwarzen Loch. 1915 stellte Albert Einstein erstmals die Theorie auf, dass es solche Orte der Extreme geben könnte, die alles anziehen und kein Licht nach außen lassen.

Netz von Teleskopen

Ein halbes Jahrhundert ist es her, dass der Begriff "Schwarzes Loch" für derlei Phänomene allgemein etabliert wurde. Mit einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen ("Event Horizon"-Teleskop) - unter anderem am Südpol, in Europa und Nord- und Südamerika - wollen Forscher im April versuchen, erstmals ein Bild vom Phänomen zu machen. "Es gibt große Aufregung", sagte Projektleiter Shepherd Doeleman vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik in Cambridge (US-Staat Massachusetts) dem Sender BBC. "Wir stellen unser virtuelles Teleskop seit inzwischen fast zwei Jahrzehnten zusammen und im April (zwischen dem 5. und 14.) werden wir die Beobachtungen machen, die erstmals die Chance haben, den Ereignishorizont eines Schwarzen Loches in den Fokus zu bringen."

2016 hatte das "Event Horizon"-Teleskop versucht, das Schwarze Loch "Sagittarius A*" in der Milchstraße abzulichten - ohne Erfolg. "Nichtssagende Kleckse" seien zu sehen gewesen, schrieb das "Science"-Magazin. Nun sind weitere leistungsstarke Teleskope dazugekommen. Auch sind im April die Chancen auf passendes Wetter gut. Das Bild, wenn es denn gelingt, stellen sich die Forscher als einen hellen Ring rund um einen schwarzen Kreis vor (siehe "Hintergrund"). "Es könnte aber auch sein, dass wir etwas ganz anderes sehen", sagt Doeleman. "Es ist zwar nie eine gute Idee, gegen Einstein zu wetten, aber wenn wir etwas sehen würden, das sehr anders ist als das, was wir erwarten, dann müssten wir die gesamte Theorie der Schwerkraft überdenken. Ich erwarte nicht, dass das passiert, aber alles könnte passieren, und das ist das Schöne daran."

Bild frühestens Jahresende

"Es wird diese bemerkenswerte Theorie für gültig erklären: Dass Schwarze Löcher im Universum üblich sind. Wenn man es gesehen hat, glaubt man es", sagte der selbst nicht beteiligte Astrophysiker Roger Blandford (Stanford Universität). Bis ein Bild veröffentlich werden kann, würde es dauern. Bis Ende des Jahres oder Anfang 2018 halten die Forscher für machbar. Zunächst müssen die von allen Teleskopen gesammelten Daten zusammengebracht und ausgewertet werden - laut der Forscher entspricht die Menge der von rund 10 000 vollgepackten Laptops.

Mysteriöse MassemonsterSchwarze Löcher gibt es wohl in fast jeder Größe im Kosmos - von der einfachen Masse unserer Sonne bis zu Milliarden Sonnenmassen. Es sind Orte der Extreme. Die Materie ist in ihnen so stark zusammengepresst, dass nichts ihrer enorm hohen Anziehungskraft entkommt. Die Fluchtgeschwindigkeit liegt im Inneren über der Lichtgeschwindigkeit, daher dringt nicht einmal das Licht selbst nach außen.

Wie lassen sich Schwarze Löcher dann beobachten? Zwar sind sie selbst unsichtbar, verraten sich jedoch über die Materie, die sie verschlucken. Wegen der extrem starken Schwerebeschleunigung heizt sich Materie, die in ein Schwarzes Loch fällt, auf Millionen Grad Celsius auf und strahlt dann hell im Röntgenlicht. Dieses charakteristische Leuchten können Röntgenteleskope registrieren. (dpa)
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