20.02.2018 - 21:34 Uhr
Deutschland & Welt

"Germany's next Topmodel" Nicht Heidis Mädchen

Hashtag gegen Heidi: Mit dem Schlagwort #NotHeidisGirl protestieren im Netz zahlreiche junge Frauen gegen "Germany's next Topmodel". Experten sagen, die Kritik an der Show habe eine neue Stufe erreicht. Grund dafür ist auch ein anderer Hashtag: #MeToo.

Model Heidi Klum steht in der Kritik: Mit dem Schlagwort #NotHeidisGirl protestieren im Netz zahlreiche junge Frauen gegen ihre Show "Germany's next Topmodel". Bild: Uwe Anspach/dpa
von Agentur DPAProfil

Stuttgart. "I'm not Heidi's girl", singt ungefähr ein Dutzend Mädchen in einem Video auf YouTube. "I am more than my looks." Heißt so viel wie: "Ich bin nicht Heidis Mädchen. Ich bin mehr als mein Aussehen." Schülerinnen aus Hamburg stecken hinter dem Song, der sich gegen die Casting-Modeshow "Germany's next Topmodel" (GNTM) richtet. Der Clip wurde bisher etwa eine halbe Million Mal geklickt. Die Kritik scheint diesmal eine andere Dynamik zu haben als in den Vorjahren. Experten zufolge hat das auch mit der Debatte um #MeToo zutun.

"Ich glaube, die Botschaft, die bei GNTM transportiert wird, ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Soziologin Nina Degele von der Uni Freiburg. "Kritik ist immer daran geübt worden, aber nun geht es tiefer." Der Song greift den Hashtag #NotHeidisGirl der feministischen Gruppe Vulvarines auf und wendet sich gegen die in der Sendung propagierten Schönheitsideale. Die #MeToo-Debatte entstand im vergangenen Herbst, nachdem Vorwürfe sexueller Übergriffe gegen den Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein laut geworden waren. Die 13. Staffel der Prosieben-Show kommt tatsächlich nur mäßig an. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov ergab, findet die Mehrheit der Deutschen, dass das Format ein falsches Schönheitsideal vermittelt. Auch die Quoten waren eher mau.

Medienwissenschaftlerin Miriam Stehling von der Uni Tübingen hat auch untersucht, warum sich Frauen GNTM anschauen. "Junge Mädchen, die GNTM schauen, sind nicht unbedingt mit dem Frauenbild einverstanden", erklärt sie. "Man muss aber differenzieren zwischen sexistischen Aufforderungen, wie es sie bei GNTM gibt, und sexualisierter Gewalt", sagt Stehling. In der Show müssen Teilnehmerinnen zwar in knappen Outfits oder nackt mit Bodypainting posieren. Mit den Übergiffen kann man das Stehling zufolge aber nicht vergleichen. Prosieben nimmt die Kritik gelassen. "GNTM verändert sich von Jahr zu Jahr", betont ein Sprecher. "Und nimmt Veränderungen in der Gesellschaft auf." "Ich würde mich sehr wundern, wenn die ganze Debatte einfach so verpuffen würde und es mit GNTM einfach so weitergehen würde", sagt Degele. Aber: "Man sollte nicht denken, dass sich durch #MeToo schon morgen alles ändert", sagt sie.

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