18.10.2017 - 21:58 Uhr
Deutschland & Welt

Großrazzia bei Hells Angels in Nordrhein-Westfalen Drogen und Zwangsprostitution

Mit einer Großrazzia setzt die Polizei in Nordrhein-Westfalen das Verbot von Rockergruppen der Hells Angels durch. Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt. Dazu gehören auch PS-starke Maschinen.

Das Motorrad eines Hells Angels wird in Erkrath sichergestellt. Bild: Roland Weihrauch/dpa
von Agentur DPAProfil

Düsseldorf. Ein Großaufgebot von mehr als 700 zum Teil schwer bewaffneten Polizisten ist am Mittwoch im Morgengrauen zu einer Razzia gegen die Hells Angels ausgerückt. Dass den Rockern dabei auch Motorräder weggenommen wurden, kritisiert ihr Anwalt Wolf Bonn postwendend. Die Polizei sei über das Ziel hinausgeschossen. Sogar Uhren und eine Bachelorarbeit hätten die Beamten mitgenommen.

Doch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) widerspricht: Bei den Motorrädern handele es sich um Vereinsvermögen, die Rechtsgrundlage sei "glasklar". Im übrigen stehe auch den Rockern in diesem Staat der Rechtsweg offen: "Wenn die Damen und Herren aus diesem Club der Meinung sind, das wäre falsch, gibt es die Möglichkeit, das zu beweisen. Die sind jetzt bei uns und stehen sicher verwahrt." Reuls Botschaft: Null Toleranz. "Wir prüfen rechtliche Schritte gegen das Vereinsverbot", kündigt Anwalt Bonn an. Ob die Maßnahmen vom Mittwoch zulässig waren, dürfte demnächst von einem Gericht überprüft werden.

60 000 Euro sichergestellt

Die Polizisten, darunter Spezialkräfte, haben Dutzende Rocker aus dem Schlaf gerissen. Sichergestellt werden dabei neun Motorräder, 15 "Kutten", 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, Glücksspielautomaten, eine Armbrust, kleine Menge Drogen und mehr als 60 000 Euro in bar. Niemand wurde festgenommen.

Konkreter Anlass der Razzia: Das am Mittwoch verkündete Verbot des Erkrather Hells-Angels-Charters Concrete City und der "Teilorganisation" Clan 81 Germany. "Es geht um Gewalt, Drogen, Waffen und Zwangsprostitution", sagt Reul. 50 Objekte in 16 Städten - darunter Düsseldorf, Köln, Leverkusen und Wuppertal - werden durchsucht. "Dieser Club ist auffällig geworden", sagt Reul. Die betroffenen Mitglieder seien nachweislich kriminell. "Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt."

Bei einer brutalen Massenschlägerei seien in Erkrath bei Düsseldorf 2016 Polizisten gezielt von Rockern angegriffen und vier Beamte verletzt worden. Zu der Schlägerei war es zwischen Rockern der nun verbotenen Clubs und Mitgliedern einer rivalisierenden libanesischen Großfamilie gekommen. Die Polizei musste starke Kräfte heranziehen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Später wurde bei einem der Rocker ein Dequiallo-Aufnäher entdeckt. Die Trophäe wird bei den Hells Angels als "Auszeichnung" für Angriffe auf Polizisten vergeben. Auf 35 Seiten führt die Verbotsverfügung auf, welcher Straftaten die Rocker noch verdächtigt werden. So sollen minderjährige Mädchen aus Trier von Rockern nach Erkrath gebracht, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sein, um sie zur Zwangsprostitution zu zwingen. Aufgelistet werden Landfriedensbruch, Bedrohung und immer wieder Gewalttaten.

Serie an Verboten

"Es geht nicht um Motorradfahrer-Romantik. Es handelt sich um kriminelle Organisationen", sagt Reul. Er setzt mit dem Verbot die Linie seines Vorgängers fort. Denn nicht zum ersten Mal sind die Hells Angels in NRW Adressat staatlicher Verbote. Im Jahr 2000 verbot das Innenministerium die Hells Angels Düsseldorf und stürmte mit 900 Polizisten deren Vereinsgelände. 2012 verbot die Landesregierung den Hells Angels MC Cologne in Köln. 2016 folgte das Bundesinnenministerium mit dem Verbot des Hells Angels MC Bonn. Allein in NRW gibt es rund 2170 Rocker in 91 Gruppen verschiedener Clubs.

Rocker als verlängerter Arm Erdogans

Die Rockergruppe Osmanen Germania arbeitet nach Erkenntnissen der nordrhein-westfälischen Landesregierung mit türkischen Sicherheitsbehörden zusammen. Von den türkischen Behörden würden "die Aktivitäten der Osmanen Germania BC in Deutschland als 'Terrorbekämpfung' bewertet - also gegen die PKK, linksextremistische Türken und die Gülen-Bewegung gerichtet - und ... unterstützt", heißt es in einem Bericht von Innenminister Herbert Reul (CDU). Zudem bestünden "Kontakte zwischen den Führern der Osmanen Germania und Vertretern der AKP sowie Beratern von Staatspräsident Erdogan". Die Rockergruppe ist auch in Bayern aktiv. (dpa)

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