21.06.2017 - 22:00 Uhr
Deutschland & Welt

Günstig in die Ferien Sinkende Benzinpreise

Alle Jahre wieder bittet die Mineralölbranche pünktlich zum Ferienbeginn die Autofahrer ordentlich zur Kasse - so die gängige Erwartung. Diesmal jedoch könnte der Schreck an der Zapfsäule erspart bleiben.

Die Wende im globalen Öl-Poker drückt Spritpreise. Das hilft, die Kosten für die Fahrt in die Ferien gering zu halten. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Frankfurt/Berlin. Zu Beginn des Sommerurlaubs zieht es viele Deutsche wieder auf die Autobahnen. Die Niedersachsen und Bremer sind die ersten, die am Donnerstag in die Ferien starten. Ölkonzerne und Tankstellenbetreiber nutzen die Zeit gern für Preisaufschläge. Doch dieses Jahr haben Autofahrer Glück: Die Spritpreise fallen vielerorts. Grund ist die schwindende Macht des Opec-Kartells, das im Öl-Poker gegen die USA immer mehr ins Hintertreffen gerät.

Benzin und Diesel sind so billig wie seit Monaten nicht. Laut ADAC sanken die Spritpreise seit Mitte April. Und auch wer sein Haus mit Öl heizt, hat Gelegenheit zum Sparen: 100 Liter Heizöl kosten derzeit laut der Internetplattform "heizoel24" nur noch etwas mehr als 50 Euro.

Preisverfall beim Rohöl

Die Hauptursache dieser Entwicklung ist ein Preisverfall beim Rohöl, das als Vorprodukt die Benzin-, Diesel- und Heizölpreise maßgeblich beeinflusst. "Den weiter sinkenden Preisen an den Zapfsäulen geht der weiter leicht gesunkene Rohölpreis voran", erklärt der ADAC. Am Dienstag fiel der Ölpreis sogar unter das Niveau von Ende November zurück, als wichtige Förderländer eine Einigung über eine gemeinsame Produktionsbeschränkung erzielten. Durch die Verknappung der Menge peilen die Ölförderländer ein höheres Preisniveau an. Das will der Opec jedoch nicht gelingen. Bemerkenswert: Der Preisverfall setzt sich trotz steigender Spannungen zwischen den Golf-Staaten rund um Katar fort. Obwohl derartige Ereignisse normalerweise zu Verunsicherung am Markt und wachsenden Preisen führen. Dabei hatte sich die Opec mit Russland und weiteren Förderern fest vorgenommen, dem Billigöl ein Ende zu setzen.

Seit Mitte 2014 war der Preis von über 100 Dollar je Barrel (159 Liter) bis unter 30 Dollar abgestürzt, er konnte sich bis heute nicht richtig berappeln. Für Staaten wie Saudi-Arabien, die wirtschaftlich fast vollständig vom Ölexport abhängen, eine Katastrophe. Die Autofahrer und Heizölkunden freut es.

Fracking hilft Autofahrern

Die Opec-Strategie: Kappung der Produktion für ein halbes Jahr - inzwischen wurde die Maßnahme bis März 2018 verlängert. "Wir starten in eine neue Ära der Kooperation", frohlockte der russische Energieminister Alexander Nowak. Doch das Kalkül geht nicht auf. Zwar stiegen die Preise zwischenzeitlich, aber inzwischen ist der Effekt verpufft. "Die Marktteilnehmer hatten mit stärkeren Kürzungen der Produktionsmengen gerechnet, und zum anderen bestehen Zweifel an der langfristigen Wirksamkeit", heißt es beim Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut.

Von der Macht der Opec ist nicht mehr viel geblieben. In den 1970er Jahren konnte das Kartell die wichtigsten Industrieländer vor sich her treiben. Heute sitzen die USA als Öl-Gegenspieler mit am Pokertisch. Ein Grund ist die Fracking-Technik. Mit jedem Dollar, um den die Opec die Preise anzuheben versucht, kommen neue US-Fracker aus der Reserve. Zu allem Überfluss machen der Opec auch die beiden Mitglieder Sorgen, die nicht am Kürzungsprogramm beteiligt sind: Libyen und Nigeria. Sie haben ihre Produktion ausgeweitet.

Regierung sucht nach Lösung für Dieselprobleme

Die Bundesregierung will sich nach Aussage von CSU-Chef Horst Seehofer um Lösungen für die Luftverschmutzungen durch Dieselfahrzeuge bemühen. "Ich habe das Thema mit der Bundeskanzlerin besprochen, auch die sieht hier bundesweit Handlungsbedarf und Gesprächsbedarf mit der Wirtschaft", sagte der bayerische Ministerpräsident am Mittwoch am Rande der Landtagssitzung in München. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihm gesagt, dass sie das Thema gemeinsam "sehr stark angehen" würden. Bereits in der kommenden Woche will sich Seehofer in München mit den Vorsitzenden der drei bayerischen Autobauer - BMW, MAN und Audi - treffen. Dabei solle es nach Möglichkeit zu schriftlichen Vereinbarungen - etwa über einen Zeitplan für die technischen Umrüstungen - kommen. (dpa)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.