29.12.2017 - 22:12 Uhr
Deutschland & Welt

Häuserbrände in Mumbai und New York Erst Flammen, dann Ratlosigkeit

Zwei Brände an zwei völlig verschiedenen Orten - und doch gibt es Gemeinsamkeiten. In New York und Mumbai sterben Menschen in Flammen. In beiden Metropolen müssen die Überlebenden sehen, wie es nach der Katastrophe weitergehen kann.

von Agentur DPAProfil

New York. Der Geruch von Verkohltem liegt in der Luft. Langsam, fast wie in Zeitlupe bewegen sich Polizisten und Feuerwehrleute durch die nächtliche Kälte in der New Yorker Bronx, rangieren Fahrzeuge, knoten Absperrbänder an Straßenmasten und Autospiegel. Ein paar Schritte weiter liegt das Gebäude, dessen Fenster nur noch schwarzen Löchern gleichen. Hier tobte das Feuer, das zwölf Menschen tötete, darunter ein Baby. Mindestens zwölf weitere sind auf einen Schlag obdachlos.

Mehr als 12 000 Kilometer und zahlreiche Zeitzonen trennen die Bronx von der indischen Metropole Mumbai. Doch das Schicksal, das die Menschen in Asien ereilt, ist nur einige Stunden zuvor fast dasselbe wie das in der Millionenstadt New York. Eine 28-Jährige feiert in einem Dachrestaurant in Mumbai ihren Geburtstag, als dort um kurz nach Mitternacht ein Feuer ausbricht. 14 Menschen sterben Medienberichten zufolge, 20 weitere werden verletzt.

Beileid von Politikern

In beiden Fällen sind Politiker bemüht, den Opfern Mut zuzusprechen und Trost zu spenden. Von "besorgniserregenden Nachrichten über das Feuer in Mumbai", spricht Indiens Präsident Ram Nath Kovind. Via Twitter schickt er sein "Beileid an die beraubten Familien" und wünscht, dass die Verletzten sich bald erholen mögen. In New York muss Bürgermeister Bill de Blasio Worte für das "Unsägliche" finden. "Familien sind zerrissen worden", sagt er.

Der Brand in der Bronx trifft eine gewöhnliche, eher schlichte Wohngegend. Besonders wohlhabend sind die Menschen, die dort am Donnerstagabend plötzlich von Sirenengeheul und Blaulicht überrascht wird, nicht. Der Bronx Zoo liegt nur ein paar Minuten entfernt, um die Ecke gibt es Restaurants, einen Spielplatz, kleine Geschäfte.

Kajha Moore sitzt im Dienst einer Sicherheitsfirma in der Lobby eines Nachbarhauses, als der Brand gegenüber zu wüten beginnt. "Man hörte Fenster knacken", sagt sie. Noch vor Ankunft der Feuerwehr eilt ihr Kollege Francis Santana über die Straße und hilft denjenigen, die sich verzweifelt durch das Fenster nach draußen retten wollen. Ein Mann, der sich in Sicherheit bringen konnte, habe plötzlich barfuß mit zwei Kindern in der Lobby gestanden, sagt Moore.

Kleiderspenden

Neben ihr liegen ein paar Kleider, die Anwohner gestiftet haben. "Schuhe und eine Jacke und so Zeug, Pyjama-Hosen", sagt sie. "Die Menschen kamen runter in den Sachen, die sie im Haus anhatten." Vor der Tür zu ihrer Lobby herrschen Temperaturen um minus zehn Grad Celsius, die Kälte beißt sich bis unter die Haut. Eine Straßenecke weiter kauert eine Katze am Bordstein. Auf die Löschwasser-Pfützen vor ihr haben Straßenarbeiter haufenweise Streusalz gekippt.

Fotos vom Brand in Mumbai zeigen Menschen in kurzärmligen Hemden, dort klettert das Thermometer dieser Tage über 30 Grad Celsius. Der Schock, die Ratlosigkeit, die Angst der Opfer dürften dennoch dem ähneln, was die Menschen an der US-Ostküste fast zeitgleich erleben. In Mumbais saniertem Gewerbeviertel Kamala Mills reihen sich elegante Restaurants an Kaufhäuser. Medienberichten zufolge dauert es 30 Minuten, bis das Dachrestaurant in Flammen aufgeht. Auch die Gastgeberin zählt zu den Todesopfern. Und die Betreiber werden - wenn überhaupt - ganz von vorn anfangen müssen.

In der Bronx lodern die Flammen Augenzeugen zufolge eine gute Stunde, dann scheint das Schlimmste überstanden. Doch für die zwölf Überlebenden, die nun auf einen Schlag obdachlos sind, beginnt die eigentliche Katastrophe erst nach den Löscharbeiten. Wohin? Und für wie lang? Das Rote Kreuz verteilt in einer zur Notunterkunft umgewandelten Schule das Nötigste. Ein Mann hat sich durch die beißende Kälte zum Eingang geschleppt und stellt einen Plastikeimer ab. Der ist bis zum Rand gefüllt mit Schuhen.

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