Hersteller setzen auf Ergonomie und Farbe
Schöne neue Küchenwelt

(dpa/tmn) Eine Küche ist für die meisten Menschen noch immer eine Investition, an der sie sich lange erfreuen wollen. Viele entscheiden sich beim Kauf daher für unauffällige Varianten: Neutrale und zurückhaltende Modelle in Holz oder in den klassischen Farbe Weiß und dem beigen Magnolia sind nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK) immer noch sehr gefragt. Durchschnittlich mehr als 15 Jahre vergingen, bis sich die Besitzer sattgesehen hätten.

Aber die Hersteller bemerken bei ihren Kunden zunehmend wieder Mut zu Farbe und neuen Materialien, wie auf der Küchenschau LivingKitchen im Rahmen der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne im Januar in Köln zu hören und sehen war. Komfort und Ergonomie sind weitere wichtige Aspekte, auf die die Anbieter verstärkt eingehen.

Für jeden dritten Deutschen sei die Küche mittlerweile der beliebteste Raum zu Hause, sagt AMK-Geschäftsführer Frank Hüther. Sie ist nicht nur für die Essenszubereitung da, sondern ist Wohn- und Lebensraum. Grundrisse seien zuletzt so verändert worden, dass Küchen nun als "Herz" der Wohnung verstanden und geplant werden.

Veränderte Bedürfnisse

"Die Bedürfnisse und Gewohnheiten haben sich verändert", ergänzt Andreas Enslin, Leiter des Designcenters beim Küchengerätehersteller Miele. Es gebe inzwischen zwei ganz unterschiedliche Richtungen bei der Wohnsituation: zum einen die geschlossene Küche. Zum anderen die offene Küche, die Bestandteil eines durchgängig gestalteten Wohn-Küchen-Bereichs ist und eher in Neubauten zu finden ist. Der AMK zufolge wohnen bereits mehr als 20 Prozent der Deutschen in solchen wandlosen Kombinationen aus "Kochen-Essen-Wohnen". Beide Küchenarten erfordern unterschiedliche Designs, sagt Enslin: "Entweder soll der Ofen aussehen wie ein Backofen oder er soll sich wie ein Designelement benehmen." Miele bietet deshalb einerseits Geräte der Linie "Pure Line" mit reduzierter Formensprache an, die laut Enslin in ein "Möbelumfeld" - sprich offene Küche - passen. Auf der anderen Seite steht die Serie "Contour Line", die ein eher technisch geprägtes Bild hat und für geschlossene Küchen gedacht ist.

Immer mehr Zwitter

Bei den Küchenmöbeln finden sich immer mehr Zwitter: schicke Objekte, die in einer Küche stehen können, aber nicht müssen, weil sie sich auch im Wohnzimmer gut machen würden. Ein Beispiel dafür ist die Kollektion "Pia" von Allmilmö Design by Pia Würtz. Weil man Kochen, Essen und Wohnen verbinden will, gebe es hier auch ein Sideboard für den Wohnraum im selben Design wie die Küchenmöbel, erklärt Siegbert Baumann, Leiter des Allmilmö-Planungsbüros.

"Die Akzeptanz und damit einhergehende Ästhetisierung des Wohnraums Küche ist heute vollzogen", sagt Hüther. Gunther Reischle von Zeyko beschreibt den Trend so: "Die Küche muss nicht immer Labor sein, sie muss wandelbar sein." Früher sei sie entweder behaglich oder Profiküche gewesen. Heute tarne sich eine professionell ausgestattete Küche mit einem Wohncharakter.

So verbergen bei Zeyko bewegliche Wandpaneele die gerade nicht genutzten Küchengeräte. Auch Hersteller Häcker hatte diese Idee: Der "Moving Table" ist in geschlossenem Zustand eine Granit-Arbeitsplatte, die das Kochfeld verdeckt. Verschiebt man die Platte, erhält man auch einen Tisch für bis zu vier Personen.

Ideale Arbeitshöhe

Wandelbar sind Küchenmöbel mittlerweile zudem in ergonomischer Hinsicht. Das Sockelsystem "Ergomatic" von Sachsenküchen verändert auf Knopfdruck die Arbeitshöhe um bis zu 20 Zentimeter. Bis zu drei Höhen lassen sich fest programmieren. Ähnlich rückengerecht verstellbar ist die Kochinsel von Ballerina.

"Wir wollen, dass jeder die ideale Höhe beim Arbeiten hat", sagt auch Christian Hartmannsgruber vom Projekt "Bewegte Küche" von Alno. Kochelemente oder andere Flächen lassen sich aus der Arbeitsplatte herausfahren, so dass jeder sie optimal erreichen kann. Teile der Arbeitsplatte sind ebenfalls höhenverstellbar und bieten so Kindern Platz für die Hausaufgaben und den Eltern abends die Möglichkeit für einen Stehempfang. "Die Küche ist der Mittelpunkt, sie soll sich auf die Lebensumstände einstellen", betont Hartmannsgruber.

Glas im Kommen

Das scheint auch für Farben und Materialien zu gelten: Erlaubt ist offenbar, was gefällt - und was zu den Lebensumständen der Käufer passt. Vor allem bei teureren Küchen war laut GfK 2012 besonders Lack (39 Prozent der verkauften Menge) beliebt. Allmählich im Kommen sei Glas (4 Prozent). Dessen Anteil habe sich innerhalb von zwei Jahren verdoppelt.
Stephan Mathys vom Hersteller Leicht bestätigt diese wachsende Nachfrage, weist aber zugleich darauf hin, dass Glas etwas teurer als konventioneller Lack sei. Doch das lohne sich oft: Wenn Sicherheitsglas verwendet wird, sei es robuster und strapazierfähiger als andere Materialien, sagt Mathys. Wer weniger ausgeben und trotzdem strahlende Fronten haben will, kann auf hochglanzlackierte Oberflächen ausweichen. Sie erreichen laut Karsten Bäumer, Marketingchef von Häcker, fast den gleichen Glanzgrad.

Weiter angesagt sind Materialmixe: Albert Meyer von Alno nennt als Beispiel das Modell "Vintucina". Es kombiniert Glas mit gebürstetem Strukturholz. Aber auch Mattlack und Keramikfronten sind mögliche Kombinationen. Bei den Geräten ist laut Harald Friedrich, der bei Robert-Bosch-Hausgeräte für den Vertrieb in Deutschland zuständig ist, Edelstahl immer noch am stärksten gefragt. Aber auch Hochglanzverkleidungen kommen bei den Kunden gut an, etwa in den Farben Sandquarz oder Satinbraun.
Neben immer wieder zu findenden Knallfarben setzen die Hersteller derzeit stark auf Naturtöne. Laut Karsten Bäumer von Häcker sind vor allem Schlammfarben sehr gefragt - egal, ob glänzend oder in Mattlack. "Das sind Farbtöne, die man gut mit Holz kombinieren kann." Auch bei Nobilia heißt es: "Leichte, erdige und warme Töne freuen sich beim Einrichten wachsender Beliebtheit." Stephan Mathys von Leicht ergänzt: "Es kommt wieder ein bisschen mehr Farbe rein - Sepiabraun, Safran, Kurkuma, Petrol - nicht mehr nur Erdfarben, die bleiben zwar, aber man kontrastiert ein bisschen mehr."

"Grau hat viel Varianten"

Auch Töne aus der Farbfamilie Grau sind in vielen Wohnwelten zu sehen. "Grau hat viele Varianten", erläutert Hüther. Das Spektrum reiche von Beton über das dunkle Anthrazit bis hin zu Greige, einer Mischung aus Grau und Beige. Wem ein Grauton als durchgehende Farbe nicht gefalle, könne seine Küche damit einfach akzentuieren. So zeigt Schüller eine Küche im Landhausstil mit grauen Hochglanzelementen, bei Nolte sind die Farbkombinationen Quarzgrau und Viola zu sehen. Bei Nobilia sind es die Töne Sand und Magma im Programm "Speed".
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