Im Tod vereint
Hollywood-Ikone Reynolds stirbt kurz nach Tochter

Debbie Reynolds mit ihrer Tochter Carrie Fischer. (Foto: dpa)
 
(Foto: dpa)

Ihre steile Filmkarriere ließ Debbie Reynolds wenig Zeit für ihre Kinder. Ihre Tochter Carrie ging auf Distanz und es brauchte Jahre, um die verpasste Nähe zwischen Mutter und Tochter nachzuholen. Nun sind sie fast zeitgleich gestorben.

Los Angeles. Im Musikfilm «Na, na, Fräulein Mutti!» von 1956 gibt es eine Szene, in der Debbie Reynolds von einem Tanzpartner wild durch die Luft gewirbelt wird. Es läuft Swing-Musik, auf dem Tanzparkett geht es heiß her. Was der Kinozuschauer nicht sieht: Die im lachsfarbenen Kleid tanzende Reynolds ist schwanger - nur zwei Monate nach Ende der Dreharbeiten wurde die kleine Carrie geboren. Im Original heißt der Film passenderweise «Bundle of Joy» (wörtlich: Freuden-Bündel). Er ist nur eines der Beispiele dafür, wie sehr die Filmkarriere von Reynolds auch das Leben ihrer Tochter bestimmte.

Dass die aus Musikfilm-Klassikern wie «Singin' in the Rain» bekannte Schauspielerin und ihre Schauspieler-Tochter Carrie Fisher nun fast gleichzeitig gestorben sind, zeigt, wie verwachsen die beiden miteinander waren. Nachdem Tochter Fisher im Alter von 60 Jahren am Dienstag an den Folgen einer Herzattacke starb, verging nur eine Nacht, ehe Mutter Reynolds im Alter von 84 Jahren folgte. Es ist ein doppelter Schicksalsschlag für Hollywood und für den hinterbliebenen Sohn beziehungsweise Bruder Todd Fisher, der nun das Ableben seiner zwei engsten Verwandten verarbeiten muss.

Mutter und Tochter waren sich keineswegs immer grün, was vor allem an der steilen Karriere der in Texas geborenen Reynolds lag. «Ich fand es zugegebenermaßen schwierig, meine Mutter mit ihren sie anbetenden Fans zu teilen, die sie behandelten, als sei sie Teil ihrer Familie», sagte Fisher 2015 bei einer Preisverleihung. Die Beziehung verlief über Jahre kompliziert und von Schmerz erfüllt. Im Alltag von Reynolds, die ihre Laufbahn trotz der Abwesenheit von Vater Eddie Fisher mit Vollgas vorantrieb, blieb für die beiden Kids wenig Platz. Das Familienleben drehte sich um die berühmte Mama, die Kinder feierten manche Geburtstage im Hof der Metro-Goldwyn-Mayer-Studios.

So überraschte es kaum, dass Fisher als Teenager in der Partyszene von Los Angeles abtauchte, Marihuana rauchte und auch mit härteren Drogen wie Kokain, Heroin und LSD hantierte. «Einige Male dachte ich, dass ich Carrie verlieren würde», gestand Reynolds der Talkmasterin Oprah Winfrey im gemeinsamen Interview mit ihrer Tochter 2011. Die Entzugsklinik überlebte Carrie, doch dann wurde bei ihr eine bipolare Störung diagnostiziert. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität distanzierte sie sich weiter - fast zehn Jahre lang hatten die beiden kaum Kontakt. «Ich wollte nicht in ihrer Nähe sein. Ich wollte nicht Debbie Reynolds Tochter sein», sagte Fisher später.

Reynolds machte in brüchiger Zweit-Ehe und mit finanziellen Sorgen ihre eigenen Strapazen durch. «Ihr Leben war verrückt zu dieser Zeit, und ich war mittendrin, ich war ihre Vertraute», erinnerte sich Fisher und sprach von «Chaos». «Ich war immer eine gute Mutter, aber ich war immer im Showbusiness», sagte Reynolds dem «People»-Magazin dagegen. «Ich stehe auf der Bühne und backe nicht Kekse und bleibe zu Hause.» Dass der Vater der beiden sich nur selten blicken ließ und Reynolds ihn dabei verteidigte, machte die Sache kaum besser. Auch Sohn Todd hielt sich später vom Vater fern, der 2010 starb.

Mutter und Tochter arrangierten sich eigenen Aussagen zufolge erst spät im Leben, als die Zeit die Wunden geheilt hatte. «Ich bewundere ihre Stärke und ihr Überleben», sagte Reynolds im Winfrey-Interview. «Ich will, dass meine Tochter glücklich ist.» Der Sohn und Bruder Todd Fisher versucht sich mit dem Gedanken zu trösten, dass die beiden nun miteinander vereint sind.
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