18.08.2017 - 20:02 Uhr
Deutschland & Welt

Jungstörche fliegen als erste Störche sammeln sich zum Vogelflug

Die Oberpfälzer Weißstörche beginnen in diesen Tagen ihren Zug nach Süden. Den Anfang machen die Jungvögel. Allgemein steigt die Zahl der Störche in Bayern. Der Landesbund für Vogelschutz meldet neue Rekordwerte. Das liegt aber nicht am Umweltschutz.

Für die Weißstörche beginnt in diesen Wochen der Vogelflug. Die Tiere aus der Oberpfalz ziehen nach Afrika. Sie sammeln sich auf Wiesen und in Flusstälern und nutzen die günstige Thermik im Spätsommer für den bis zu 10 000 Kilometer langen Flug. Archivbild: Steinbacher
von Dominik Konrad Kontakt Profil

Hilpoltstein. (dpa/epd/dko) Es ist der sanfte Hinweis auf das nahende Sommer-Ende: In Bayern sammeln sich die ersten Störche zum Vogelflug in den Süden. Bei günstiger Witterung werden vor allem Jungstörche demnächst zum Vogelflug starteten, sagt die Storchenexpertin des bayerischen Landesbundes für Vogelschutz (LBV), Oda Wieding.

Laut Auskunft der Weidener Horstbetreuerin Helga Bradatsch sind die Jungvögel dort schon weg (wir berichteten). "Normalerweise fliegen sie Mitte August ab", weiß sie. "Heuer waren sie eine Woche früher dran."

Neue Bestmarken

Laut LBV hatten sich in diesem Sommer 470 bis 480 Storchenpaare in Bayern aufgehalten. Eine neue Bestmarke: "Aus vielen Flusstälern wie der Altmühl oder der Aisch erhalten wir begeisterte Meldungen über kleinere und größere Storchentrupps mit 50 bis über 100 Vögeln", sagt Wieding. Regelmäßig überträfen die Tiere in Bayern ihre Bestmarken an Brutpaaren und Jungvögeln.

Das liegt allerdings nicht am Umweltschutz in Bayern, wie die Storchexpertin zugeben muss: Die Vögel aus Schwaben, Mittel- und Unterfranken nehmen die sogenannte "Westroute" nach Spanien. Dort verbessern sich die Lebensbedingungen für die Weißstörche immer mehr.

Krebse und Müllkippen

Das liege an den Müllkippen, dem Zuwachs an Reisfeldern in Spanien und einer sich stark vermehrenden Krebs-Art: Der rote amerikanische Sumpfkrebs gehört seit 2016 zu der "Liste der unerwünschten Spezies" der Europäischen Union. Er kann die Krebspest übertragen und ist selbst dagegen immun. Laut Bayerischem Landesamt für Umwelt hat sich der rote Sumpfkrebs heute bereits flächendeckend in Portugal, Spanien und Südfrankreich verbreitet und ist nicht mehr auszurotten. Die Störche allerdings freut es. Sie finden reichlich Nahrung. Weniger Tiere verenden auf dieser Route. Deshalb kommen mehr nach Bayern zurück.

Die Zahl der Vögel, welche die Ostroute nach Afrika nehmen, bleibe dagegen konstant, sagt Wieding. Hierzu gehören auch die Tiere aus der Oberpfalz. Mitte August sei in der Regel die Zeit, in der vor allem bei Jungstörchen "Zugunruhe" aufkomme. Sie formieren sich dann oft zusammen mit einigen Altstörchen auf Wiesen zu kleineren Gruppen.

10 000 Kilometer

Oft suchen sich die Jungstörche eine neue Gruppe und fliegen in eine andere Richtung, als die Altvögel fliegen würden. Wann sie aufbrechen, hänge vom Wetter ab. "Meist warten die Störche auf sonnige Tage - wegen der warmen Aufwinde. Bei Regen bleiben sie meist ein paar Tage länger." Wenn es den Störchen in Nordafrika nicht gefällt, ziehen sie nach Südafrika weiter. "Das heißt, sie fliegen teilweise 10 000 Kilometer", erläutert Wieding. Weißstörche werden erst im zweiten Jahr geschlechtsreif. "Im ersten Sommer bleiben sie in Afrika, weil sie hier noch nichts ausrichten können. Im zweiten Jahr kommen sie dann zurück."

Bis Ende September sollten alle Störche weg sein, sagt die Expertin. Sonst werde der Zug wegen der Thermik schwierig. Die nach Afrika ziehenden Oberpfälzer kommen zwischen Mitte März bis Ende April aus ihrem Winterquartier wieder nach Hause. Dann bleiben sie ihrer Region aber treu: Sie siedeln im weiteren Umkreis von 100 bis 150 Kilometer.

___

Weitere Informationen zum Storch gibt es auf unserer Themenseite:

www.onetz.de/themen/storch

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp