Kardinal Joachim Meisner mit 83 Jahren gestorben
Ein Mann der klaren Worte

Der einstige Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, gibt in Köln in seinem Arbeitszimmer ein Interview. Bild: Oliver Berg/dpa
 
Kardinal Joachim Meisner. Archivbild: Michael Kappeler/dpa

Köln. (KNA) Mit großer Betroffenheit haben Vertreter aus Kirche und Politik auf den Tod von Kardinal Joachim Meisner reagiert. Sie würdigten den am Mittwoch verstorbenen früheren Kölner Erzbischof als konsequenten Glaubenszeugen, der die deutsch-deutsche Geschichte prägte.

Papst Franziskus lobte Meisners "treuen und unerschrockenen Einsatz" für das Wohl der Menschen in Ost und West. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte, Meisner sei ein "mutiger Kämpfer" gewesen, der bereit gewesen sei, öffentlich anzuecken. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) würdigte den Verstorbenen als "prägende Gestalt der deutsch-deutschen Geschichte". Während seiner Zeit in der DDR sei er eine unverzichtbare Stimme für die katholischen Christen gewesen. Der religionspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Franz Josef Jung, erklärte, während der Teilung habe Meisner als Bischof von Berlin in den 1980er Jahren "eines der schwierigsten Ämter" innegehabt. Aus der evangelischen Kirche würdigte der rheinische Präses Manfred Rekowski Meisners "persönliche Glaubensstärke".Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) erklärte, Meisner habe sich stets mit großem Nachdruck für seine Überzeugungen eingesetzt.

Der Kardinal war am Mittwochmorgen während seines Urlaubs in Bad Füssing im Alter von 83 Jahren gestorben. Ein Freund wollte ihn zum Gottesdienst abholen und habe ihn tot aufgefunden, berichtete Meisners Amtsnachfolger als Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki. Meisner habe das Brevier mit den für Priestern vorgeschriebenen Gebeten in den Händen gehalten.

Meisner war, wenn er Glaubenslehre oder gesellschaftliche Moral bedroht sah, immer als Verteidiger in die Offensive gegangen. Zweifel am Zölibat oder Forderungen nach dem Frauenpriestertum etwa forderten seinen Widerspruch heraus. Auch das Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus. Gemeinsam mit drei anderen Kardinälen forderte er im November 2016 den Papst in einem öffentlich gewordenen Brief zur Klärung mehrerer "Zweifel" auf. Dass wiederverheiratete Geschiedene in Einzelfällen zur Kommunion zugelassen werden, ließ dem Ruheständler keine Ruhe.

Meisner, der nach 25 Jahren an der Spitze des Erzbistums Köln im Februar 2014 altersbedingt aus dem Amt schied, scheute keine Konflikte. So missfiel ihm, dass die Bescheinigung über eine Schwangerenberatung Frauen einen straffreien Abbruch ermöglichte. Auf seine Initiative hin verfügte Papst Johannes Paul II. 1999 den Ausstieg der katholischen Kirche in Deutschland aus dem staatlichen System der Schwangerenberatung.

Gegenwind aushalten: Diese Haltung hat der 1933 im schlesischen Breslau geborene Geistliche besonders in der DDR entwickelt. Mit der Familie flüchtete er 1945 nach Thüringen, wo er nach einer Banklehre Priester und dann Weihbischof in Erfurt wurde. 1980 kam er als Bischof in die damals noch geteilte Stadt Berlin und legte sich mit Honecker und Genossen an. Angesichts der Sowjetsterne auf vielen öffentlichen Gebäuden der DDR rief er beim Dresdner Katholikentag 1987 in die Menge, dass die Katholiken "keinem anderen Stern folgen als dem von Bethlehem". Papst Johannes Paul II., zu dem Meisner ein enges persönliches Verhältnis pflegte, wollte ihn nach dem Tod von Kardinal Joseph Höffner gegen den Willen des Domkapitels an der Spitze des Erzbistums Köln haben. Meisner wechselte am 12. Februar 1989 von der Spree an den Rhein - neun Monate vor dem Fall der Mauer. In Köln, seiner vierten "Heimat", kämpfte er seitdem nicht mehr gegen staatlich verordneten Atheismus, sondern gegen die Gottvergessenheit in einer konsumorientierten Welt. Die besondere Aufmerksamkeit Meisners galt dem Lebensschutz. Scharf wandte er sich gegen Versuche, aktive Sterbehilfe zu erlauben: "Der Mensch soll an der Hand des Menschen sterben, nicht aber durch seine Hand." Genauso energisch prangerte er Abtreibungen und Forschungen an Embryonen an, um "alt und krank gewordenes Leben sanieren zu können".
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