30.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Keine Vorbereitung aufs Musikabitur? Leserbrief

von Redaktion OnetzProfil

Zum NT- Interview mit Bürgermeister Jens Meyer in der Ausgabe vom Mittwoch, 20. August 2014.

Im Zusammenhang mit Einsparungsmöglichkeiten hat Bürgermeister Jens Meyer die Kultur als "knallharten Standortfaktor" bezeichnet. Anschließend fragte er, ob es Aufgabe der Musikschule wäre, Schüler auf das Musikabitur vorzubereiten. Die Musikschule ist unserem Verständnis nach eine Bildungseinrichtung, die Kinder und Jugendliche im Bereich der Musik, ergänzend zu allgemeinbildenden Schulen, fördert. Warum sollte im Rahmen dieser Bildungstätigkeit nicht auch auf das Abitur vorbereitet werden? Und wo ist die Grenze zwischen allgemeiner Musikerziehung und Abiturvorbereitung?

1. Stationen wie Konzerte, Wettbewerbe, Preise und eben eventuell das Abitur in Musik gehören zur Ausbildung. Wer gute Musiker will, sollte da unterstützen. Erst im Juli hat die Stadt ja auch jungen Musikern der Musikschule den "Stadtpreis" verliehen, weil sie die Stadt auch nach außen vertreten.

2. Seit der G8-Reform des Gymnasiums müssen Schüler, die in Musik die schriftliche Abiturprüfung ablegen wollen, auch einen praktischen Teil leisten (das sogenannte "Additum"). Dabei ist ausdrücklich staatlicherseits die Zusammenarbeit mit Musikschulen gefordert, anders wäre das gar nicht möglich.

3. Bei diesem Additum geht es nicht darum, mal "nebenbei" ein paar "leichte Punkte" mitzunehmen. Der Leistungsstand wird vor der Wahl geprüft und für die vier Leistungsfeststellungen gibt es Vorgaben, die - so die offiziellen Informationen des Kultusministeriums - dem Stand des früheren Musikleistungskurses entsprechen. Zwar wird der Instrumentalunterricht in den Stundenplan eingerechnet, wer ein Instrument spielt, weiß aber auch, wie viel zusätzliche Zeit hier investiert werden muss.

4. Die Abiturvorbereitung findet im regulären Musikschulunterricht statt. Für die Institution Musikschule gibt es also keinen Mehraufwand. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass Musiklehrer und Musikschulleitung sich sehr, über das erwartbare Maß hinaus, engagieren - dafür ausdrücklichen Dank. Dieses Engagement steckt an: die langjährige Arbeit im Elternbeirat der Musikschule und als Erzähler beim Kinderkonzert sind auch "Gegenleistungen".

Wir möchten deutlich machen, dass es konkreter Information und Einordnung in die Zusammenhänge braucht, um nicht "blind" zu sparen. Das gilt auch für andere Bereiche - oder sollte man den Sportvereinen auch Zuschüsse streichen, weil die Betätigung dort auf das Sportabitur vorbereitet oder "Jugend forscht" nicht mehr unterstützen, weil damit naturwissenschaftliche Fächer gefördert werden?

Felix Hirn, Musikabiturient 2014Klaus Hirn,92712 Pirk

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