Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen
Unicef wird 70 Jahre alt

Kinder in einer von der Unicef unterstützten Schule in Dikwa, Nigeria mit ihren blauen Schultaschen. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen feiert am Sonntag sein 70-jähriges Bestehen. Bilder: dpa
 
"Jedes Kind ist erst einmal kein Migrant, Asylbewerber oder Flüchtling, sondern ein Kind. Ein Kind, das besondere Unterstützung braucht und ein Recht darauf hat." Zitat: Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland

Weltweit lebt nach Angaben von Unicef fast jedes vierte Kind in einem Land, das von Konflikten oder Katastrophen betroffen ist. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, das am Sonntag 70 Jahre alt wird, ist unverzichtbarer denn je.

Köln. "Die extreme Armut von Kindern ist nicht besiegt", sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, dem Evangelischen Pressedienst in Köln. "Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass der Einsatz für Kinder, die unter kriegerischen Konflikten leiden, leider heute genauso so wichtig ist wie vor einigen Jahrzehnten." Das UN-Kinderhilfswerk kämpfe nach wie vor dafür, Waffenruhen zu erwirken, Kinder auch in abgelegenen Kampfgebieten zu versorgen und Jungen und Mädchen aus bewaffneten Gruppen freizubekommen. "Dieser Einsatz bleibt in der 'DNA' unserer Organisation", sagte Schneider. Allerdings habe sich der Fokus verschoben: Während bei der Gründung am 11. Dezember 1946 die Nothilfe für Kinder im durch den Zweiten Weltkrieg verwüsteten Europa im Vordergrund stand, sei heute der Einsatz für Kinder weltweit Schwerpunkt von Unicef.

Syrien im Fokus

"Heute verlaufen die sozialen Gegensätze nicht mehr nur zwischen Nord und Süd, sondern vor allem auch innerhalb der Staaten", erklärte Schneider. Die meisten sehr armen Kinder lebten inzwischen in Ländern mit mittlerem Einkommen. Ihre Überlebenschancen seien sehr viel schlechter als die ihrer Altersgenossen, sie seien häufiger von Schulbildung ausgeschlossen und erlitten oft Ausbeutung und Gewalt. 1946 sei es noch nicht selbstverständlich gewesen, den Kindern ehemaliger Feinde zu helfen, betonte Schneider: "Nach den Menschheitsverbrechen im Zweiten Weltkrieg war das ein mutiger Schritt, ein Ausrufezeichen in Sachen Menschlichkeit." Das Grundprinzip, dass Kinder niemals Feinde sind und unter allen Bedingungen Schutz und Hilfe erhalten sollen, sei heute so aktuell wie damals.

In Syrien habe Unicef allein im vergangenen Jahr 1500 schwerste Menschenrechtsverletzungen an Kindern dokumentiert. Derzeit werde einer halben Million syrischer Kinder in belagerten Ortschaften jede Hilfe verweigert. "Das ist absolut unerträglich", sagte der Chef des deutschen Unicef-Komitees mit Sitz in Köln. Durch immer mehr komplexe und langanhaltende Krisen drohten Fortschritte etwa im Kampf gegen Kindersterblichkeit und beim Schulbesuch wieder verloren zu gehen.

Künftige Herausforderungen

Flucht und Migration gehörten zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Nach Schätzung von Unicef sind derzeit rund 50 Millionen Kinder und Jugendliche entwurzelt, 28 Millionen von ihnen als Flüchtlinge und Vertriebene. 80 Prozent aller Flüchtlinge lebten allerdings nicht in Europa, sondern in Afrika, Asien und zurzeit vor allem im Nahen Osten. "Diese Länder leisten oft trotz viel geringerer Ressourcen Unglaubliches, um den Kindern beizustehen", sagte er. "Jedes Kind ist erst einmal kein Migrant, Asylbewerber oder Flüchtling, sondern ein Kind. Ein Kind, das besondere Unterstützung braucht und ein Recht darauf hat."

Jedes Kind ist erst einmal kein Migrant, Asylbewerber oder Flüchtling, sondern ein Kind. Ein Kind, das besondere Unterstützung braucht und ein Recht darauf hat.Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland
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