Klassischer Wahlkampf
Briefe an die Redaktion

Zum Artikel "Was darf Kultur kosten?" in der Donnerstagsausgabe:

Wurde in den letzten Monaten bereits heftig gekeilt und ausgeteilt, so ist es jetzt amtlich: der Wahlkampf ist offiziell eingeläutet. Die Großen haben ihre Listen aufgestellt, und überall sind nur die Besten und die Schönsten - und jeder träumt von 17 plus x. Da kann uns Bürgern ja ein Jahr lang noch einiges bevorstehen. Mit einvernehmlicher Rathauspolitik ist auf Dauer wohl nicht mehr zu rechnen. Jetzt schießt man sich auf Personen und allzu gern auf populistische Themen ein, auf solche, mit denen man billig punkten, billig auf Wählerfang gehen kann. Da sind wir gespannt, was so alles auf uns zukommt!

Das Festplatzthema ist zunächst ausdiskutiert - das Frühlingsfest steht vor der Tür-, ganz sicher kommt das Dänner-Eck zur Sprache, aber zu allererst nehmen die Stadtratspolitiker die Kultur aufs Korn: arme Max-Reger-Stadt. Schon die Frage, was Kultur kosten darf, amüsiert und verärgert zugleich, denn zum Billigtarif ist beispielsweise klassische Musik ganz sicher nicht zu haben. Aber jetzt alte Semmeln aufzuwärmen, sich auf die Reger-Tage und indirekt wohl auf Frau Vorsatz einzuschießen, halte ich für absolut unredlich. Mit wissenschaftlicher Unterstützung wird hohes Niveau geboten! Allenfalls kann die Frage erlaubt sein, ob es wirklich ein jährlicher Turnus sein muss.
Klassische Musik ist ein Beispiel dafür, wie eine menschliche Schule, eine menschliche Gesellschaft, ein menschliches Miteinander aussehen könnte. Daniel Barrenboim macht es uns mit den Konzerten seines Palästinaorchester im Großen beispielhaft vor. Trotz derzeitiger Finanzkrise sollten sich Weidens Stadtväter der Wichtigkeit des Themas erinnern und mit gutem Beispiel vorangehen, nämlich entgegen bisheriger Praxis selbst die Konzerte besuchen und nicht darüber streiten, wer denn was initiiert hat. Gut, dass es Thomas und Dr. Roth, die Kaisers und die Pollingers gibt, die uns das vorleben und vor allem junge Menschen begeistern. Die Stadt mit ihren Bildungsträgern kann ruhig Prioriäten in oben genanntem Sinne setzen! Wir jedenfalls freuen uns wie so viele auf das letzte Förderkreiskonzert und die Max-Reger-Tage im September mit einer sicher wieder spannenden neuen Saison.

Wolfgang und Ursula Lindner,

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