06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kliniken im Stress: Spagat zwischen medizinischer Notwendigkeit und finanziellem Deckungsbeitrag

von Redaktion OnetzProfil

Zum Bericht "Kliniken schnappen nach Luft":

Vor den Beschäftigten - aller Ebenen - in deutschen Kliniken ziehe ich wie auch vor allen anderen medizinischen Leistungserbringern meinen Hut. Mir ist bewusst, dass sie permanenten, teils unsäglichen Arbeitsbelastungen ausgesetzt sind und dass der Spagat zwischen medizinischer Notwendigkeit und Deckungsbeitrag oftmals nicht zu erfüllen ist.

In der Langzeitbetrachtung der medizinischen Wertschöpfungsketten - also Einnahmen gegenüber Ausgaben - komme ich zu dem Ergebnis, dass die Wertschöpfungsanteile medizinischer Leistungserbringer bei kontinuierlich gestiegenen Kosten ebenso kontinuierlich und teils dramatisch abgenommen haben. Dies gilt nicht nur für Kliniken, sondern auch für praktizierende Ärzte, Pflegebetriebe und Apotheken (13 000 von 20 000 Apotheken erreichen den Durchschnittsumsatz nicht). Gleichzeitig haben sich die Wertschöpfungsanteile für Industrie und Vater Staat - aus gestiegenen Mehrwertsteuersätzen - erhöht. Ein anderer Aspekt der Kostenbetrachtung sind die Krankenkassen. Wie kann es sein, dass einige GKV einen Verwaltungskostenanteil von teils mehr als 15 Prozent ausweisen, wenn gleichzeitig Privatkrankenkassen hier mit etwas mehr als 3 Prozent handlungsfähig sind?

Mein Fazit: Wir haben bereits die befürchteten "amerikanischen Verhältnisse" eines Mehrklassensystems in der Gesundheitsversorgung. Eine Situation, die sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels - respektive der Inzidenz von altersbedingten Erkrankungen - verschärfen wird. Provokant erwarte ich, dass wir als Bürger unsere Position als "Wahlvieh" und "Beitragslämmer" verlassen und uns - gegenüber unseren politischen Mandatsträgern - für eine gerechtere Verteilung der durchaus ausreichenden Mittel einsetzen.

Dies nicht nur in unserem Eigeninteresse, sondern auch in Verantwortung und Respekt gegenüber denen, die Tag und Nacht eine funktionierende medizinische Versorgungskulisse aus Kliniken, Praxen, Pflegebetrieben und Apotheken aufrechterhalten. Diesen gilt mein persönlicher Dank.

Roland Wesche, 92637 Weiden

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