Kommentar von Albert Franz
Amerika sollte sich nicht um die Frage nach dem Warum drücken

Marathon. Karikatur: Tomicek
Die mächtigste Nation der Welt lässt sich nicht gerne der Schwäche zeihen. Zehn Jahre lang haben die Vereinigten Staaten nach Osama bin Laden, den Staatsfeind Nummer eins, gesucht und ihn schließlich in Pakistan zur Strecke gebracht. Jetzt wirft das Land tausende Polizisten, Experten von Spezialeinheiten und Soldaten in die Jagd nach den mutmaßlichen Bombern von Boston.

Die abschreckende Botschaft ist eindeutig: Niemand soll versuchen, das Land herauszufordern. Niemand soll es wagen, am amerikanischen Traum zu rütteln. Die Suche nach dem Motiv ist da zweitrangig. Bisher bleiben alle Erklärungsversuche widersprüchlich. Der Hinweis auf die tschetschenische Herkunft der beiden Männer erklärt zunächst mal gar nichts. Schließlich hat die Familie das frühere russische Kriegsgebiet schon lange verlassen und schon lange in den USA gelebt. Auch die Hinweise auf das zerrüttete Familienleben, die vielleicht mangelnde Integration, die möglicherweise gescheiterte Existenz der beiden bringt auf der Suche nach einem Motiv nicht wirklich weiter.

Widersprüchlich sind auch die Charakterisierungen aus der Familie. Während der Vater seine Kinder beschreibt, als könnten sie keiner Fliege etwas zuleide tun, beschimpft sie ein Onkel als von wem auch immer aufgehetzte radikale Islamisten. Tote Terroristen haben einen Nachteil: Man kann sie nicht mehr für ihre Taten verantwortlich machen.
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