Kommentar von Albert Franz
Dem BND fehlt offenbar ein klarer Auftrag

"Anleinpflicht!" Karikatur: Tomicek
Da empört sich Deutschland monatelang darüber, dass die USA die Kanzlerin abhören - und dann kommt raus, dass der Bundesnachrichtendienst auch Hillary Clinton und John Kerry belauscht hat. Nicht absichtlich natürlich, ganz zufällig. Wen wundert's? In der Politik - und erst recht in den internationalen Beziehungen - sind echte Freundschaften selten. Es geht um knallharte Interessen.

Deshalb ist auch die Empörung etwas gekünstelt. Ein Geheimdienst, der nichts weiß, ist überflüssig. Immerhin beschäftigt allein der BND 6500 Mitarbeiter und bekommt dafür aus dem Bundeshaushalt rund 550 Millionen Euro. Wichtiger als die Schnüffelei bei "Freunden" aber wäre die Informationsbeschaffung über Feinde.

Was etwa weiß der Auslandsgeheimdienst über die islamistische Terrormiliz, die gerade den Irak und Syrien aufrollt? Weiß der BND wirklich bis heute nicht, wer die malaysische Boeing über der Ostukraine abgeschossen hat? Hat der BND tatsächlich keine Ahnung davon, was sich in Russland im Grenzgebiet zur Ukraine abspielt? Das wären existenzielle Fragen, um die sich ein Geheimdienst kümmern könnte. Offenbar fehlt den Schlapphüten aber ein klarer Auftrag.

albert.franz@derneuetag.de
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