Kommentar von Albert Franz
Der Fall Schmid trifft die CSU an ihrer empfindlichsten Stelle

Deutschland entdeckt die Steuerehrlichkeit. Karikatur: Tomicek
August Lang, Gerold Tandler, Alois Glück - dann Joachim Herrmann und Georg Schmid. Schon aus dem Klang der neuzeitlicheren Namen aus der "Ahnengalerie" der CSU-Fraktionschefs wird deutlich, dass es nicht immer aufwärts ging mit der Personalentwicklung an der Spitze der CSU-Abgeordneten im Maximilianeum.

Nun, Schmid ist nicht vorzuwerfen, dass er nie ein starker Fraktionschef war. Er hat oft unglücklich taktiert, etwa beim Hin und Her um das Rauchverbot. Anders als seine Vorgänger musste er sich mit einem Koalitionspartner herumärgern. Und er konnte den abrupten Haken, die sein Parteichef und Ministerpräsident schlug, oft nicht folgen. All das ist nachvollziehbar. Schlimmer aber und unverzeihlich ist, dass er das Ansehen der CSU an der empfindlichsten Stelle wieder um Jahre zurückgeworfen hat. Denn Dank Schmid ist die CSU in der öffentlichen Wahrnehmung wieder da, wo sie schon zu Zeiten von Max Streibl einmal war - im Amigo-Sumpf der Selbstbedienungsmentalität und abstoßenden Selbstgerechtigkeit. Selbst in der Rücktrittserklärung beharrt Schmid noch darauf, sich "immer rechtlich und politisch korrekt verhalten" zu haben.

Dabei sah es zuletzt ziemlich gut aus für die Union. Sogar die absolute Mehrheit schien wieder in greifbarer Nähe. Parteichef Horst Seehofer hat die Brisanz der Lage schnell erkannt: Einen reuigen Uli Hoeneß können die Bayern vielleicht noch wegstecken, aber nicht einen CSU-Fraktionschef, der nicht mehr weiß, was sich gehört.
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