01.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Albert Franz Die AfD ist erfolgreich, aber noch lange nicht bündnisfähig

Sachsen-Spiegel. Karikatur: Tomicek
von Albert Franz Kontakt Profil
Kommentar

Revolutionär ist das Ergebnis in Sachsen nicht, spektakulär schon. Schließlich ist es mehr als eine Fußnote der Geschichte, wenn die FDP erstmals an keiner Länderregierung in Deutschland mehr beteiligt ist. Und wenn eine Partei wie die AfD es auf Anhieb auf knapp zehn Prozent schafft, dann ist auch das eine Umwälzung.

CDU-Mann Stanislaw Tillich, der alte und neue Ministerpräsident, steht wie ein Fels in Brandung. Dennoch braucht er wegen des Niedergangs der FDP einen neuen Koalitionspartner. In Sachsen dürfte schließlich alles auf Schwarz-Rot nach dem Bundesvorbild hinauslaufen. Denn Tillich wird sich kaum über die Vorgabe aus Berlin hinwegsetzen und mit der AfD paktieren. Schwarz-Grün, was vielleicht auch ginge, falls die NPD den Sprung in den Landtag nicht mehr schafft, ist unwahrscheinlich. Schließlich ist Sachsen nicht Hessen oder Hamburg. Auch wenn die AfD nicht auf Anhieb Regierungspartei wird, kann die CDU sie nicht mehr ignorieren. Denn das Ableben der FDP allein erklärt den AfD-Erfolg nicht. 25 Prozent ihrer Wähler kommen aus dem CDU-Lager. Der Aufsteiger saugt Strömungen auf, die im Berliner Politikbetrieb der Großen Koalition kaum noch eine Rolle spielen: rechtspopulistische, wirtschaftsliberale, nationalkonservative und europakritische. Deshalb bleibt die AfD keine Eintagsfliege. Bündnisfähig aber ist sie noch lange nicht, weil viel zu zerstritten.

albert.franz[at]derneuetag[dot]de

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