04.08.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Albert Franz: Von Beckenbauer bis Schnappauf: "A bisserl was geht immer"

von Albert Franz Kontakt Profil
Kommentar

Lässt sich da was machen? Man kennt diese Frage. Sie ist unverbindlich genug, um justiziabel zu sein, aber sie unterstellt Handlungsbedarf. Auf einem orientalischen Basar mag das angehen, aber in einem Rechtsstaat?

Nehmen wir den Fall Franz Beckenbauer. Der fuhr also um 40 Stundenkilometer zu schnell durch eine Baustelle. Natürlich ist nicht aktenkundig, ob sich der "Kaiser" selbst aus der Verantwortung stehlen wollte. Überliefert allerdings ist, wie so etwas geht. Flugs wurde der Wagen des FC Bayern "umgewidmet" in ein Fahrzeug, das der Kripo Ingolstadt für Überwachungszwecke zur Verfügung gestellt worden sei. Alle Achtung. Darauf muss einer erst kommen.

Oder nehmen wir den Fall der Fahrer von Umweltminister Werner Schnappauf, die innerorts geblitzt worden sind. Hier genügte offenbar ein Anruf bei den kommunalen Verkehrsüberwachern, um die Geschwindigkeitsübertretung aus dem Computer verschwinden zu lassen.

In beiden Fällen spielt der vorauseilende Gehorsam eine gewisse Rolle. Unterstellen wir einfach, dass weder Beckenbauer noch Schnappauf selbst initiativ geworden sind. Schon der Hinweis auf den prominenten Mann am Steuer bzw. den Fahrgast hat offenbar genügt, rechtsstaatliche Grundsätze über Bord zu werfen.

Wie sagt eine alte Stammtisch-

weisheit: "A bisserl was geht immer." Und bei den Großkopferten halt ein bisserl mehr als beim gemeinen Wahlvolk. Tröstlich nur, dass zumindest diese zwei Fälle ans Tageslicht kamen. Und dass der Polizist, der für Beckenbauers Strafverschonung sorgte, wegen Urkundenfälschung aus dem Dienst entfernt worden ist. Auch Schnappaufs Fahrer sollen nun doch für ihre Geschwindigkeitsübertretungen geradestehen. Immerhin.

Weniger tröstlich ist, dass Politiker offenbar des Öfteren in Bußgeld- oder Verwarnungsverfahren eingreifen - wie ein Prüfbericht über die Verkehrsüberwacher ausweist. Und dass der "Kaiser" seiner gerechten Strafe - Bußgeld und einmonatiges Fahrverbot - entgeht. Was lehrt uns das? Es ist eben doch ein Unterschied zwischen Kaiser und Fußvolk.

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