20.08.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Alexander Pausch Die jugendlichen Pilger von Köln sind keine Weltverweigerer

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Kommentar

"Köln wird einen heiligen Karneval erleben", verkündete Joachim Kardinal Meisner vor drei Jahren - und dennoch ist dieser Weltjugendtag kein Spaßevent, wie manche das Christenfest am Rhein abqualifizieren wollen. Wer sich zu diesem Urteil hinreißen lässt, liegt falsch. Er hat nicht verstanden, was junge Menschen aus aller Welt bewegt, nach Köln oder zuvor nach Toronto oder vielleicht demnächst nach Sydney zu reisen.

Junge Menschen - vor allem in westlichen Konsumgesellschaften - sind heute selbstständiger. Jeder baut sich seinen Glauben selbst, auch wenn diese Beliebigkeit nicht die Billigung der katholischen Kirche findet. Deshalb erntet Benedikt XVI. für seine Friedensappelle Applaus, und deshalb hören viele bei seinen Sätzen zur Sexualität oder der Unauflöslichkeit der Ehe zumindest für sich selbst weg. Da ergeht es ihm nicht anders als seinem Vorgänger Johannes Paul II.

Aber die Beliebtheit des Papstes und das Vertrauen der Jugend in das Oberhaupt der katholischen Kirche resultiert ohnehin nicht daher, dass er sich an den Zeitgeist anbiedert oder sich als Projektionsfläche für religiöse Gefühle anbietet. Nein. Johannes Paul II. und auch sein Nachfolger Benedikt XVI. sind eben keine Popstars. Es ist gerade ihre Standhaftigkeit, sie selbst würden sagen, ihre Festigkeit im Glauben, die beide so anziehend macht. An ihnen, an ihren Überzeugungen kann man sich reiben, daran abarbeiten. Das gilt gerade für junge Menschen, die noch ihren Standpunkt im Leben suchen.

Moral ist nicht teilbar, entweder die Grundsätze gelten immer, oder sie sind keine. Das Gleiche gilt für die katholischen Glaubensüberzeugungen. Diese Kirche, für die Benedikt XVI. steht, ist weder ein Gefälligkeitsverein noch ein religiöser Supermarkt. Gerade das macht den Reiz aus, in einer Zeit, in der sich jede Zunft ihre eigene Ethik schnitzt.

Die jugendlichen Pilger in Köln sind aber auch keine religiösen Weltverweigerer. Im Gegenteil. Sie sind tatkräftige Christen, die sich in ihren Heimatländern und darüber hinaus engagieren: Viele übernehmen Verantwortung in der Jugendarbeit, in den Gemeinden oder setzen sich für die Entwicklungszusammenarbeit ein. Diese jungen Menschen werden Karriere machen und ihre Gesellschaften mitgestalten.

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