14.09.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Alexander Pausch Düstere Signale aus dem geräumten Gazastreifen

von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Im Nahen Osten geschieht Bemerkenswertes. Erstmals hat Israel palästinensisches Gebiet geräumt. Mehr noch. Auch in der Frage der Grenzsicherheit zeigt sich die israelische Regierung beweglich. Erstmals wird die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ausschließlich von palästinensischen und ägyptischen Sicherheitskräften kontrolliert. Alles hoffnungsvolle Schritte in Richtung Frieden und in Richtung eines unabhängigen Staates der Palästinenser.

Doch aus dem Gazastreifen kommen wenig hoffnungsfroh stimmende Signale. Die brennenden Synagogen und die schwarzen und grünen Fahnen der extremistischen Palästinenserorganisationen auf den Dächern der früheren jüdischen Gebetshäuser zeigen, wer in dem schmalen Streifen am Mittelmeer das Sagen hat.

Palästinenserpräsident Mah-

mud Abbas und seine Führung ließen dem Volkszorn freien Lauf, auch um nicht selbst Opfer der Wut zu werden. Dass dadurch das Image der Palästinenser in der Welt wieder Schaden nimmt, ist aus der Sicht der Führung das kleinere Übel, steht sie doch wegen des anhaltenden Filzes und der breiten Korruption in der Kritik.

So könnte der israelische Rückzug um mehr als ein Jahrzehnt zu spät kommen. 1994, als der damalige PLO-Chef Jassir Arafat in den Gazastreifen einzog, hatten er und seine Fatah noch die Kraft, die islamistische Hamas zu entmachten. Arafats Nachfolger Abbas kann dies heute nicht mehr ohne Hilfe von außen. So ist der Gazastreifen derzeit kein Inkubator für einen Palästinenserstaat, sondern ein Kandidat für einen "failing state", ein Gebiet ohne zivilisierte Autorität.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.