08.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Alexander Pausch Irak wird noch lange Zeit im Ausnahmezustand verharren

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Kommentar

Die Nachrichten aus Irak sind seit Monaten gleichbleibend erschreckend: Verheerende Bombenanschläge, Überfälle auf Polizeistationen und die noch jungen irakischen Sicherheitskräfte fordern ebenso einen hohen Blutzoll wie die militärischen Versuche der US-Truppen, die Aufständischen und Terroristen auszuschalten.

Darüber hinaus leiden die Menschen unter der verbreiteten Kriminalität. Die brutalen Entführungen von Ausländern im Zweistromland schrecken zwar die Welt auf, doch die überwiegende Zahl der Opfer ist einheimisch. Bei den Taten geht es nicht um politisch motivierten Terror, sondern um ein paar tausend Dollar Lösegeld, das die betroffenen Familien oft kaum aufbringen können.

Dies illustriert, dass noch immer die fehlende Sicherheit das dringendste Problem des Landes ist. Darauf hatte auch der chaldäisch-katholische Erzbischof von Kirkuk, Louis Sako, bei seinem Besuch in der Oberpfalz eindringlich hingewiesen.

Ende Januar sollen in Irak Wahlen abgehalten werden. So lange aber die Menschen nicht einmal ohne Furcht auf die Straße gehen können, sind auch keine Wahlversammlungen möglich. Unter diesen Bedingungen ist kaum vorstellbar, dass es eine reguläre Wahl geben kann. Das wissen auch die Verantwortlichen in Bagdad und Washington.

Daher überrascht es nicht, dass die irakische Übergangsregierung jetzt den Ausnahmezustand ausruft. Die Möglichkeit dazu hatte sie sich kurz nach der Amtsübernahme im Sommer geschaffen. Ob es allerdings bei den maximal erlaubten 60 Tagen bleibt, ist zweifelhaft. Zu groß ist die Zahl der Aufständischen. Schätzungen sprechen von bis zu 25 000. Ohnehin gibt es einen beständigen Nachschub aus den Nachbarländern.

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