12.11.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Alexander Pausch Jassir Arafat hinterlässt den Palästinensern ein schweres Erbe

von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Palästina ohne Jassir Arafat, der Nahe Osten ohne den PLO-Chef - kaum jemand kann sich das wirklich vorstellen. Wie kein anderer nationaler Führer prägte der verstorbene Palästinenserpräsident die politische Szenerie. Beinahe 40 Jahre agierte er auf der politischen Weltbühne. Wie kein anderer symbolisierte er die Wünsche und Hoffnungen seines Volkes.

Nicht von ungefähr nannten ihn westliche Medien bisweilen "Mr. Palästina". Für die Palästinenser verkörperte Jassir Arafat ihre Nation, auch über seinen Tod hinaus. Der Rais, der Führer, wie sie ihn nannten, gab ihnen ihre Identität. Der Mann mit der grünen Fantasie-Uniform und dem schwarz-weißen Kopftuch vertrat Muslime und Christen ebenso wie die Flüchtlinge und die Menschen im von Israel besetzten Westjordanland und dem Gazastreifen. Jassir Arafat hat es erreicht, dass die Welt die palästinensische Nation auch als solche wahrnimmt.

Das Erstaunliche ist, dass Arafat seine Stellung trotz zahlreicher Niederlagen und Fehlentscheidungen erreichte. Seine letzte hatte ihm den Hausarrest in Ramallah beschert. Jerusalem war damit für ihn in unerreichbare Ferne gerückt.

Den Wandel zum Staatsmann schaffte er nie. Auch als Präsident agierte er wie ein Guerillakämpfer im Untergrund. Arafat erwies sich als gewöhnlicher Machthaber. Den Aufbau demokratischer Strukturen ließ er nie zu. Unter dieser Hypothek werden die Palästinenser noch lange leiden. Denn es fehlen die Institutionen, durch die sich alle vertreten fühlen - vor allem bei Friedensverhandlungen.

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