Kommentar von Alexander Pausch
Recep Tayyip Erdogan ist der neue türkische Kalif

Türkisches Facebook. Karikatur: Tomicek
Recep Tayyip Erdogan ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Daher kann er ganz staatsmännisch seinen politischen Gegnern die Aussöhnung anbieten. Klar ist aber auch: Sobald der 60-Jährige sein Amt als Präsident angetreten hat, wird er die Türkei ebenso autoritär regieren, wie er dies als Ministerpräsident getan hat. Die neue Ära, die Erdogan noch am Wahlabend angekündigt hat, wird mit der Einführung eines Präsidialsystems eingeläutet werden.

Gleichwohl steht Erdogans Wechsel vom Ministerpräsidenten- ins Präsidentenamt unter düsteren Vorzeichen. Die Raten des Wirtschaftswachstums sind kleiner geworden, obwohl Erdogan Investitionen in die Infrastruktur forciert hat. Zudem hinterlassen die Kriege an der Südgrenze des Landes ihre Spuren: Seit 10. Juni, als Isis Mossul eroberte, sind die türkischen Exporte allein ins Nachbarland um 35 Prozent eingebrochen.

Vor allem aber bedrohen die Bürgerkriege in Syrien und im Irak die Stabilität der Türkei. Zu lange ließ Ankara die Islamisten ungehindert nach Syrien passieren, unterstützte sie teils sogar. Seit Isis den Nordirak überrennt, rächt sich dies. Denn selbst der türkische Partner, die kurdische Autonomieregion, geriet in Gefahr. Es sind die USA, die den Partner Ankaras heraushauen müssen.

Angesichts des Zerfalls des irakischen Staates werden die Kurden die Ausrufung eines eigenen Staates vorantreiben. Das aber hat Sogwirkung auf die Kurden in Syrien, vor allem aber in der Türkei. Ob Erdogan unter diesen Vorzeichen die Aussöhnung vorantreibt, ist zweifelhaft.

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