Kommentar von Alexander Pausch
Viele hegen falsche Erwartungen an den NSU-Prozess

Neue Insignien. Karikatur: Tomicek
Es war von Beginn an zu erwarten, dass auch das Los-Verfahren zur Vergabe der Presseplätze im NSU-Verfahren in München nicht die Zustimmung aller finden würde. Diese Unzufriedenheit wird durch Aufrechnungen befördert. Da sind jene Medien, die bei der ersten Vergabe noch zum Zug gekommen waren, nun aber leer ausgingen.

Da sind große Medien, darunter bedeutende ausländische Nachrichtenagenturen die draußen bleiben müssen, während kleineren Zeitungen das Losglück hold war. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, der Fantasie scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein, doch zielführend ist dieses Wehklagen nicht - jenseits der berechtigten Einwände von Medien aus den Herkunftsländern der Opfer gegen die erste Vergabe.

Ohnehin ist bislang der Eindruck entstanden, dass sich nicht wenige das Falsche vom Prozess erwarten. Das Oberlandesgericht kann dem Bundestag und den Landesparlamenten weder die Aufarbeitung des Versagens der Ermittlungsbehörden abnehmen, noch die durch dieses Versagen geschlagenen Wunden heilen.
Das Gericht soll ein Urteil fällen darüber, ob Beate Zschäpe Mittäterin bei den Morden der mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt an acht Menschen sowie den zwei Anschlägen und dem Mord an zwei Polizisten war. Für die Staatsanwaltschaft wird dies schwer genug. Niemand mag sich den öffentlichen Aufschrei ausmalen, wenn ihre Beweise und Indizien wider Erwarten nicht reichen sollten.
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