Kommentar von Frank Stüdemann
Der Wähler entscheidet, aber hat er auch die Wahl?

Bedrohtes Zugpferd. Karikatur: Tomicek
"Das Wir entscheidet." Ach was. Mal abgesehen davon, dass der umstrittene Wahlkampfslogan der SPD ein gutes Beispiel für grässlich holprige Kampagnensprache ist - er ist auch falsch. Denn der Wähler entscheidet. Und zwar erst am 22. September. Von daher tun die Sozialdemokraten gut daran, die aktuellen Meinungsumfragen nicht allzu ernst zu nehmen.

Klar muss ihnen aber auch sein: Wer wählen soll, muss auch eine Wahl haben. 2013 aber können sich die Deutschen zwischen einer kühl-distanzierten Kanzlerin und einem nicht minder frostigen Kandidaten entscheiden, dem man die Nähe zum "einfachen" Bürger einfach nicht abnimmt. Da kann die Parteitagsregie Steinbrück noch so menschelnde Momente ins Drehbuch schreiben - als Mann des Volkes bleibt er schwer zu vermitteln.

Gerhard Schröder hatte es da 1998 schon einfacher: Den bräsigen Dauer-Kanzler Kohl hatten selbst die CDU-Wähler satt, und so konnte der schneidige Hannoveraner aus der Opposition heraus das Kanzleramt erobern. Somit bleibt dem Kandidaten diesmal nur eine einzige Chance, will er Merkel aus dem Amt jagen: Die Kanzlerin muss Fehler machen, in möglichst große Fettnäpfchen tappen. Dumm für die SPD: Das ist eigentlich Steinbrücks Spezialität.
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