27.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Frank Werner Berlin ohne "Wowi": Götterdämmerung mit Ansage

Der Lotse geht von Bord. Karikatur: Tomicek
von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Es gibt genügend Politiker, die so blass während ihrer Amtszeit sind, dass nichts von ihnen in Erinnerung bleibt. Klaus Wowereit gehört sicher nicht dazu. Er war ein richtiger Typ, ein Original, mehr Partylöwe als Bürokrat. Mit dem Satz "Berlin ist arm, aber sexy" eroberte er die Herzen der Hauptstädter. Einer, den alle nur "Wowi" nennen.

Genau das wurde jetzt aber zu seinem Dilemma. Mit flotten Sprüchen ist noch kein Problem gelöst worden. Und die Schwierigkeiten in Berlin türmten sich in den 13 Jahren Amtszeit von Wowereit auf: kaum Wirtschaftswachstum, dafür hohe Arbeitslosigkeit und gewaltige soziale Probleme. Vor allem die unglaubliche Posse um den Pannen-Großflughafen Berlin-Brandenburg, für die er nie richtig die Verantwortung übernahm, ist jetzt sein bitteres Erbe. Der Rücktritt kommt zum richtigen Zeitpunkt. Wowereit ist auf dem Tiefpunkt seiner Popularität, hätte bei den Wahlen 2016 wohl keine Chance gehabt.

Der 60-Jährige hat es zudem versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. Kein Wunder, denn er hätte keine Götter neben sich ertragen. So erlebt die SPD in Berlin jetzt ihre Götterdämmerung. Die Party ist aus. Es wird dauern, bis einer für die Genossen das Licht wieder anmacht.

frank.werner[at]derneuetag[dot]de

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