Kommentar von Frank Werner
Peinlich, aber konsequent

"Am schlimmsten sind die Richter, die glauben, schon deshalb recht zu haben, weil sie Recht sprechen dürfen." So urteilt der Passauer Jurist und Publizist Robert Muthmann über seinen Berufsstand. Insofern ist es erstaunlich, dass sich das Münchner Oberlandesgericht überhaupt bewegt hat. Die Verschiebung des NSU-Prozesses ist peinlich, aber konsequent.

Die Köpfe in den Amtsstuben des OLG müssen von Tag zu Tag röter geworden sein. Das immer lauter werdende Trommelfeuer der Kritik gipfelte im Rüffel des Bundesverfassungsgerichtes. So läuft die Vergabe der Presseplätze nicht, schallte es aus Karlsruhe. Eine Ohrfeige mit ganz langer Ansage.

Mit ein wenig Flexibilität und Fingerspitzengefühl hätte dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl dies erspart bleiben können. So aber liegt auf dem verschobenen Start des Prozesses ein Schatten. Götzls Arbeit wird noch stärker kritisch beäugt werden. Seine Aufgabe ist es, eine Verbrechensserie aufzuarbeiten, die Wahrheit herauszufinden. Nach dem Fiasko im Vorfeld muss endlich ein klares Signal gesetzt werden. Das Gericht hat den Beweis erst noch anzutreten, dass es das hochsensible Verfahren im Griff hat.

Kurz notiert

Zusatzkosten übernehmen

München/Berlin.(dpa) Nach der kurzfristigen Verschiebung des Münchner NSU-Prozesses werden Forderungen laut, die Opfer-Familien mit Zusatzkosten nicht allein zu lassen. Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die NSU-Opfer und deren Angehörige, Barbara John, verlangte vom Oberlandesgericht (OLG), die Hinterbliebenen zu entschädigen. Diese hätten für den Prozess in München Reisen und Hotelzimmer gebucht. "Auf diesen Kosten dürfen sie nicht sitzenbleiben. Die muss das Oberlandesgericht München übernehmen", sagte John.
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