16.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Jürgen Herda High-Tech als Allheilmittel

von Berthold Zeitler Kontakt Profil
Kommentar

Die Interessengemeinschaft Maria Schnee forciert ihren Widerstand gegen das geplante Gewerbegebiet an der A6. Mit neu recherchierten Argumenten bereiten die Gegner eines Bebauungsplans einen Bürgerentscheid vor. Tenor der Kritik: Gewerbegebiete sind ein Rezept der Vergangenheit. Die Globalisierung führt zu einer Produktionsverlagerung in Billiglohnländer, nur noch innovative High-Tech-Standorte haben Zukunft.

Diese Betrachtungsweise ist global betrachtet richtig, reduziert jedoch die komplexe Wirklichkeit auf ein "entweder-oder"-Modell. Das Rezept der Zukunft muss aber lauten: sowohl als auch. Bill Clintons erster Arbeitsminister, Robert Reich, hatte die Vision einer arbeitsteiligen Welt entworfen, die sich in Geist- und Handarbeiter teilt. Was unsere Ingenieure am PC planen, sollte auf den verlängerten Werkbänken der dritten Welt produziert werden. Eine Vision mit Fehlern: Erstens besteht die westliche Gesellschaft nicht nur aus Ingenieuren. Zweitens hat die Menschen in den Schwellenländern niemand gefragt, ob sie gerne auf Dauer das outgesourcte Proletariat der Industriestaaten sein wollen.

Das Ziel, möglichst in umweltschonende, innovative, zukunftssichere Technik zu investieren, ist richtig. Auf diesem Weg werden wir uns aber auch in Amberg die Hände noch eine Zeit lang schmutzig machen müssen. Der Übergang in die postindustrielle Ära erfordert auch kurzfristige Lösungen: Wenn ein Gewerbegebiet an der A6, so sie denn kommt, im Kontext der EU-Osterweiterung auch nur für ein paar Jahre Arbeitsplätze schaffen sollte, wäre das eine Existenzsicherung für real existierende Menschen.

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