27.03.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Jürgen Herda Scheitert's an Bolischen?

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Kommentar

Die Stadt Amberg hat ihre Hausaufgaben gemacht. Durch das Schmieden eines Vier-Kommunen-Paktes mit dem Ziel, einen wirksamen Hochwasserschutz zu realisieren, und der Miteinbeziehung des Wasserwirtschaftsamtes und der Direktion für Ländliche Entwicklung sind zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Keine Gemeinde kann sich künftig mehr nach dem Motto "Nach mir die Sintflut" herausreden.

Flächenversiegelungen, Bebauung von potenziellen Retentionsflächen oder ein rein technischer Hochwasserschutz weiter oben am Flusslauf kamen bisher den Anliegern weiter unten teuer zu stehen. Jetzt sitzen alle im gleichen Boot. Gleichzeitig garantiert die Miteinbindung der beiden Ämter eine Bezuschussung aller baulichen Veränderungen bis zu 75 Prozent und die Möglichkeit, Ersatzflächen für die betroffenen Landwirte zur Verfügung zu stellen.

Scheinbar also eine g'mahte Wies'n? Der Oberbürgermeister klingt deutlich skeptischer, wenn er sagt: "Nach einem halben Jahr werden wir feststellen, da und da geht das und woanders nicht, weil da welche san, die bolisch san." Der Schwarze Peter liegt jetzt bei den Eigentümern. Und damit auch der Druck, die bezuschusste Planung ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, schließlich will niemand den Volkszorn über sich ergehen lassen, weil er für die Schäden des nächsten Jahrhunderthochwassers verantwortlich ist.

Dabei sollte man allerdings nicht alle über einen Kamm scheren. Es ist nicht unmoralisch, wenn die wiederholt geschädigten Anwohner jetzt genau wissen wollen, ob noch einmal Kosten auf sie zukommen. Und dem SV Raigering sollte bei seiner schwierigen Suche nach einem Ersatzgelände auch erst geholfen werden, bevor man ihm gedanklich schon einmal einen Tennisplatz und den Sandplatz streicht. Denn so lobenswert die jüngste Initiative der Stadt und ihrer Partner auch ist - auch vor dem Hochwasser 2002 wäre eine interkommunale Zusammenarbeit bei etwas gutem Willen möglich gewesen. Vielleicht ist sie damals an bolischen Bürgermeistern gescheitert.

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