03.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Jürgen Herda Schwieriger Dressurakt: Gauck und der russische Bär

Notärzte. Karikatur: Tomicek
von Jürgen Herda Kontakt Profil
Kommentar

"Ich weiß nicht, welche Absichten Putin verfolgt", sagte Gerd Ruge, ausgewiesener Kenner Russlands, kürzlich in Weiden. Es gibt weniger berufene Experten, die aus weiter Entfernung im Nebel stochern, aber genau wissen wollen, was der Kremlchef im Schilde führt.

Bundespräsident Joachim Gauck zählt nicht dazu. Der Mann weiß, wovon er spricht - nicht nur, weil sein Vater lange Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft verbrachte. Dem professionellen Vergangenheitsbewältiger ist bewusst, welches Leid Nazi-Deutschland bei seinem Vernichtungskrieg dem russischen Volk zufügte.

Man muss nicht grundsätzlich Gaucks Auffassung teilen, dass sich Deutschland künftig militärisch stärker an globalen Konflikten beteiligen sollte: Solange der berechtigte Eindruck besteht, dass der Westen wie beim zweiten Golfkrieg nicht zuletzt eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt, ist es moralisch nicht verwerflich, Zurückhaltung zu üben.

Aber es gibt auch Grenzen der Beschwichtigung: Das hätte beim Völkermord in Ruanda gegolten, wo der Westen versagte. Das gilt für die Barbarei der IS-Terroristen. Es ist richtig, dass Gauck Putins Aggression klar benennt. Es ist aber auch richtig, mit dem Kreml-Chef im Gespräch zu bleiben. Noch hat Putin viel zu verlieren. Gefährlich ist der russische Bär, wenn er in die Enge getrieben wird.

juergen.herda[at]derneuetag[dot]de

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