15.11.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Angela Merkel braucht Einigkeit für ein blühendes Vaterland

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

"Einigkeit und Recht und Freiheit". Selten ließ sich unsere Nationalhymne so schön an klaren Aufgaben festmachen, wie zum Ende des CDU-Parteitags. Und noch nie lastete die Verantwortung, diesen Auftrag auch umzusetzen, so sehr auf der Unions-Führerin Angela Merkel wie am Montagnachmittag, als sie diese Zeilen schmetterte. Angela Merkel hat es geschafft: ohne Verwundung aus dem Nervenkrieg des Koalitionspokers herausgekommen, ausgestattet mit überwältigender Zustimmung ihrer Partei.

Alle Parteivorsitzenden trommelten auf den Parteitagen am Montag nach Kräften für Zustimmung. Franz Müntefering gebührt der Ehrenpreis für den schönsten Vergleich mit der Tierwelt: "Straßenköter" seien oft "widerstandsfähiger als die reinrassigen Sensibelchen", machte er Hoffnung auf eine stabile Regierung.

In der Tat: Deutschland wurde seit Jahrzehnten von Lagern geführt, die ihre "Projekte" vorantrieben. Rot-Grün etwa malte sich ihre Welt in bunten Farben und scheiterte an den Kontrasten der Wirklichkeit. Vielleicht liegt gerade darin die Stärke dieser großen Koalition, dass in den mehrwöchigen Gesprächen klar wurde, was zu machen ist, und wovon die Regierung die Finger lassen wird. Lange genug wurde gerungen, mal in großer Runde, meist auf Expertenebene, dazwischen in der Spitzengruppe. Die breite Abstimmung gewährleistete bereits die überwältigende Zustimmung der Parteitage. Zum Vergleich: Der letzte schwarz-rote Koalitionsvertrag, in wenigen Tagen von einer Handvoll Verhandlungsführer gezimmert, fand 1966 in der SPD-Fraktion nur eine Zustimmung von 60 Prozent.

Die eigentlich Unzufriedenen finden sich in diesem Herbst in Wirtschaftsverbänden, Vorstandsetagen und bei Interessenverbänden aller Couleur. Edmund Stoiber meierte die Konzernführer der Autobranche unerhört heftig für deren Kritik ab. Da schwingt sicher noch die Enttäuschung mit, in Wahlkampfzeiten nicht mehr Rückenwind bekommen zu haben. Aber auch schon eine Selbstverpflichtung, die kommende Regierung gegen Druck von außen zu verteidigen.

Angriffspunkte wird es über den Koalitionsvertrag hinaus noch genügend geben. Etwa wenn die heiklen Themen Gesundheit, Rente und Pflege zur Entscheidung anstehen. Eine Kanzlerin Angela Merkel wird dann die Einigkeit ihrer Koalitionäre brauchen, will sie weiterhin mit Inbrunst ins Deutschlandlied einstimmen: "Blühe, deutsches Vaterland!"

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