26.01.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Angst vor der Mullah-Bombe und Angst vor George W. Bush

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Kommentar

Selten machen sich Déjà-vu-Erlebnisse so penetrant bemerkbar. Die diplomatischen Wortwechsel über den Atlantik hinweg klingen erschreckend vertraut. George W. Bush will ein letztes, ein militärisches Mittel im Kampf gegen eine atomare Aufrüstung Irans nicht ausschließen. Europas Staatenlenker warnen wieder einmal vor einem Krieg, dessen Vorahnung schwer auf das Gemüt drückt.

Schon bald nach dem Afghanistan-Einsatz verströmte Washington mit dem Nicht-Ausschließen von Gewalt, mit offenen oder versteckten Drohungen den brenzligen Geruch der glimmenden Lunte am Pulverfass Golf. Selbst Millionen Menschen bei den Protestmärschen konnten diese Glut nicht mehr austreten.

Über Sinn und Unsinn der alliierten Invasion lässt sich in vielerlei Hinsicht streiten. Als herausragender Punkt ist aber festzuhalten, dass die Amerikaner vom Vormarsch gegen den Terrorismus abgerückt sind; der Krieg gegen Irak mag viele Gründe haben, diesen jedoch nicht. Eine Unterstützung des Saddam Hussein für die Attentäter vom 11. September 2001 wurde nie nachgewiesen. Auch die Bush-Administration stellte als Kriegsgrund schließlich den Präventivschlag gegen Massenvernichtungswaffen in den Vordergrund. Waffen, die nie auftauchten.

Kindern lernt man, sie dürften beim Baden nicht zum Spaß um Hilfe rufen. Denn falls sie wirklich in Not gerieten, könnte man es ihnen nicht mehr glauben. Bush hat sich in diese Lage manövriert. Wer mit Phantasiebildern über Giftgasanlagen und fingierten Geheimdienstberichten einen Krieg begründet, muss sich nicht wundern, wenn die Welt einen weiteren Waffengang umso vehementer ablehnt.

Dabei weisen in Iran mehr Indizien darauf hin, dass das Regime sowohl Terroristen finanziert als auch nach Massenvernichtungswaffen strebt. Die Atombombe in Händen der religiösen Eiferer Teherans wäre eine Gefahr, die alle anderen Terroraktivitäten auf dem Planeten in den Schatten stellen würde. Wäre Gewalt als letztes Mittel, die Mullah-Bombe zu verhindern, legitim? Womöglich ja. George W. Bush hat aber ein Klima auf der Welt geschaffen, in dem der Glaube an hehre Ziele der USA schwer fällt.

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