21.12.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Das Daschner-Urteil: Gerecht, aber nicht salomonisch

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
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König Salomo, dessen Urteilsfähigkeit sprichwörtlich wurde, hatte es als Richter recht bequem. Er musste kein Paragrafen-Werk samt Kommentarsammlung beachten. Keine Berufungsinstanz durchkreuzte seine Weisheit. Niemand hätte ihn wegen Rechtsbeugung belangt, auch nicht als er zur Beweisaufnahme drohte, ein Kind zweizuteilen. Allein der Stimmung des Volkes, aufwallend in den Basaren seiner Zeit, musste Salomo Rechnung tragen. Eben den Rechtsfrieden im Königreich wahren.

Letztere Vorgabe an das Strafrecht hat die Jahrtausende überdauert. Heute werden Stammtisch-Runden zu lautstarken Schwurgerichten, wenn spektakuläre Fälle durch die Medien geistern. Das war 1981 so im Fall der Marianne Bachmeier, die den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal erschoss. Der Fall Daschner hat wie kaum ein anderer Strafprozess seither die Stammtische beschäftigt. Dort hätte der Kommissar wohl einen Orden verliehen bekommen. Schließlich war für ihn das Leben eines Kindes in Gefahr als er Magnus Gäfgen Schmerzen androhen ließ. Ein klarer Fall, Hollywood verfährt schließlich nicht anders: Eine blutige Nase, eine dicke Lippe später spucken die Ganoven doch aus, was die Cops wissen wollen.

Doch wir leben nicht im Film, so dramatisch die Ereignisse um die Entführung des elfjährigen Jakob von Metzler auch waren. Die Androhung von Folter als erster Schritt zur Folter selbst, durfte der Staat nicht tolerieren. Und er hat es auch nicht. Die Staatsanwaltschaft brachte den verbalen Übergriff Wolfgang Daschners und seines Kollegen folgerichtig vor Gericht. Dieser Konsequenz war sich auch der überaus gewissenhafte und vom Gewissen geplagte Daschner bewusst. Schließlich hat er selbst die Aktennotiz über sein Vorgehen an die Staatsanwaltschaft verfasst.

Die Richter im deutschen Rechtsstaat hatten mit dem Schuldausspruch keine andere Wahl. Allerdings folgt in jedem Urteil als zweite Komponente ein Strafausspruch. Die Höhe der Strafe richtet sich innerhalb eines vorgegebenen Rahmens unter anderem nach der Schwere der Schuld, dem angerichteten Schaden und der Schuldeinsicht eines Angeklagten. Hier würdigte auch das Frankfurter Landgericht die Zwangslage, in der die Ermittler vor ihrem Aufsehen erregenden Schritt steckten.

Jeder der Beteiligten kann mit diesem Urteil leben. Es ist der Straftat, die Daschner und sein Kollege begangen haben, angemessen. Salomonisch - im Sinne von frei und kreativ - konnten die Richter nicht urteilen.

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