24.02.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Kommentar von Stefan Zaruba Der Aufschwung allein bringt uns keine Vollbeschäftigung

von Stefan Zaruba Kontakt Profil
Kommentar

Nach den Theorien zur Konjunktur steht Deutschland tatsächlich der Aufschwung bevor. Ein großer Teil der Vorhersagen stützt sich auf Psychologie. Wie sehen die klassischen "Wirtschaftssubjekte" im Land die Großwetterlage? Seit gestern wissen wir: sehr positiv. Staat, Unternehmen und private Haushalte verbreiten Zuversicht wie seit langem nicht mehr.

Kennzeichnend für die Phase des Aufschwungs sind so weiche Fakten wie die Erwartungen der Unternehmen. Ein ifo-Geschäftsklimaindex auf dem höchsten Stand seit fast 15 Jahren - womit ließe sich eine Boom-Prophezeiung besser untermauern? Nun, vielleicht mit einem Zitat von ifo-Chef Hans-Werner Sinn: "Der Aufschwung gewinnt an Breite." Daumen hoch also von einem, der sonst eher den mahnenden Zeigefinger schwingt.

Dann das Verbrauchervertrauen: Die Bürger fühlen, dass es aufwärts gehen wird, hat die GfK ermittelt. Zwar beflügelt nach Ansicht der Nürnberger Konsumforscher vor allem die Weltmeisterschaft die Menschen im Gastgeberland, doch woher die gute Laune kommt, ist zweitrangig. Hauptsache, die Stimmung ist gut.

Soweit die aktuelle Lage. Einen Schönheitsfehler hat die klassische Konjunkturtheorie: Ihre Vorhersagen für den Arbeitsmarkt beschreiben einen Idealzustand, der von der deutschen Wirklichkeit meilenweit entfernt ist. Laut Lehrbuch sollte im Zuge des Aufschwungs die Beschäftigung stetig zunehmen, bis in der Hochkonjunktur Vollbeschäftigung erreicht ist und die Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Die fortschreitende Rationalisierung in der Wirtschaft bringt es mit sich, dass erst ein kräftiges Wirtschaftswachstum die Beschäftigung hebt. Deutschland hat zudem eine strukturelle Arbeitslosigkeit, der allein mit einer florierenden Wirtschaft kaum beizukommen ist. Bei aller Freude über den bevorstehenden Aufschwung: Darauf ausruhen darf sich unsere Gesellschaft nicht - vor allem weil es irgendwann wieder bergab geht. Dieser Teil der Theorie ist noch immer eingetreten.

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